Stefanie Holzer, Walter Klier

Luciana Glaser

Eine Karriere

 

  • kein Nachdruck
  • EUR 14,90
  • ISBN 978-3-900521-13-4
  • 112 Seiten,
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„Das Rätsel hat viele Buchstaben und einen Namen: Luciana Glaser.“ So begann Hans Haider in der „Presse“ vom 3.2.1990 seine ausführliche Würdigung jener geheimnisvollen Autorin, deren Prosadebüt, eine schmale Erzählung mit dem Titel „Winterende“, eben im Wiener Zsolnay-Verlag erschienen war und, so hieß es, die letzten Tage des frühverstorbenen Genies Norbert Conrad Kaser zum Thema… Mehr

„Das Rätsel hat viele Buchstaben und einen Namen: Luciana Glaser.“


So begann Hans Haider in der „Presse“ vom 3.2.1990 seine ausführliche Würdigung jener geheimnisvollen Autorin, deren Prosadebüt, eine schmale Erzählung mit dem Titel „Winterende“, eben im Wiener Zsolnay-Verlag erschienen war und, so hieß es, die letzten Tage des frühverstorbenen Genies Norbert Conrad Kaser zum Thema hatte. Zahlreiche, oft ausführliche und ungemein lobende Besprechungen folgten; auf den Bestseller- und Bestenlisten der österreichischen Tageszeitungen tauchte der Titel einige Male auf, und als die Darmstädter Jury Glasers „Winterende“ zum „Buch des Monats April“ wählte, schien die literarische Neuentdeckung des Jahres 1990 perfekt.


Bloß etwas fehlte: die Person zum Buch. Nicht einmal ein Foto von ihr war aufzutreiben, geschweige denn Interviews oder gar Fernsehauftritte, was die Gerüchteküche entsprechend anheizte.


Der Literaturbetrieb genoss offenbar wollüstig das Rätsel. Und Detektivspiel und war sich im Übrigen (wenige Misstrauische ausgenommen) über die hohe literarische Qualität des Textes einig. An Vergleichsgrößen wurde, von Hölderlin über Rilke bis Büchner, alles herangezogen, was auf diesem Gebiet gut und teuer ist.


Dementsprechend heftig die Reaktionen, als im „Spiegel“ vom 2.7.1990 zu lesen stand, das Ganze sei ein „aufgelegter Schwindel“ gewesen. Genauer und etwas behutsamer gesagt zog der „Spiegel“-Artikel den vorläufigen Schlussstrich unter ein literatursoziologisches Experiment, unternommen von Stefanie Holzer und Walter Klier.


Der vorliegende Band beschreibt anhand einer ausführlichen Dokumentation die Intentionen, den Verlauf und die Folgen des Experiments und bietet damit – vergleichbar dem berühmten Musil-Versuch der alten „Pardon“-Reaktion – ein unfreiwillig deutliches Selbstporträt des heutigen deutschsprachigen Literaturbetriebs.


„Alles, was wir gelernt haben, war falsch“, sagt Luciana Glaser. Oder muss es richtiger heißen: „Alles, was wir gelernt haben, ist falsch?“

Walter Klier

Walter Klier

geboren 1955 in Innsbruck, lebt ebendort. Mitherausgeber der Zeitschriften „Luftballon“ (1980–1984) und „Gegenwart“ (1989–1997). Schreibt Literaturkritiken und Essays für zahlreiche Medien, ständige Mitarbeit am „Extra“ der „Wiener Zeitung“, Kolumnist der „Tiroler Tageszeitung“. Bei Haymon: „Hotel Bayer“. Eine Geschichte aus dem zwanzigsten Jahrhundert (2003), Meine konspirative Kindheit und andere wahre Geschichten (2005).

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