Wie Kraut und Blume auch bei mir ein Zuhause fanden – und ich in ihnen eine Leidenschaft

Schon früh stand fest: Das Gärtnern liegt mir nicht. Und von dieser Meinung konnte mich weder der (inzwischen eingegangene) Kaktus, den mir eine Freundin schenkte, noch der üppige Gemüsebalkon meiner Mutter abbringen. Ganz im Gegenteil, der Balkon schien mir so viel Arbeit zu sein, und den Kaktus bekam ich liebevoll überreicht mit der Begründung: „Da, für dich, diese Pflanzen sterben auch bei dir nicht, denn sie sind ganz pflegeleicht“. Dass der Gang zum Supermarkt, um Kräuter für Pesto, Salat und Co. zu besorgen, einiges mehr an Zeit und Kraft kostet, aber vor allem weniger Freude aufkommen lässt – zu dieser Erkenntnis bin ich erst ziemlich spät gekommen.

Kunden können die besten Ideen und Buchtipps haben! © Buchhandlung Haymon

Gute Bücher braucht man immer und überall.

Lustigerweise erst, als eine Dame in die Haymon Buchhandlung kam und sich nach dem Buch „Kräuter richtig anbauen“ erkundigte. Während ich das Buch suchte, erblühte die Begeisterung in ihrem Gesicht. Nicht nur, dass sie von der Autorin Andrea Heistinger zu schwärmen anfing, sie bewunderte die Arbeit des Coautoren-Vereins Arche Noah. Nickend und lächelnd registrierte ich ihren Enthusiasmus und den Informationsfluss, mit dem sie mich überschüttete:

Gibt es wirklich einen grünen Daumen? Bei anderen sieht es immer so einfach aus! Hier: ©Andrea Heistinger.

Der Verein Arche Noah setze sich seit vielen Jahren für den Erhalt und die Entwicklung von Gemüse- und Getreidesorten, Kräutern und Obst ein und seine Arbeit sei als Antwort auf die restriktive Saatgutpolitik, den Verlust vieler Kulturpflanzen und den Einsatz von Hybridsorten und Gentechnik in der Landwirtschaft zu sehen. Beeindruckend, dachte ich. Außerdem meinte die Dame, dass aus den vertrockneten, traurigen Töpfen auf ihrem Balkon seit dem Buch die Kräuter nur so sprossen! Deshalb wolle sie das Buch einer Freundin schenken, welche dasselbe Problem wie ich zu haben schien.

Tagelang ging mir die Dame mit dem Buch nicht aus dem Kopf. Hätte nicht jeder gerne sein eigenes Basilikum, frisch und duftend, gerade erst gepflückt? Oder Schnittlauch? Mhhhmmmm … so wäre das Butterbrot wesentlich leckerer, denn diese teuren Schnittlauch-Butter-Brezen beim Bäcker kann sich ja bald keiner mehr leisten! Und so kam es, dass ich mir das Buch zwei Wochen später kaufte.

Die Blüten des Schnittknoblauchs sind schön und schmecken nach Knoblauch! © Rupert Pessl

Unglaublich - aber wahr!

Durch das Buch habe ich einiges erfahren, z.B. dass mein Lieblingstee „Zitronen-Melisse“ auf der Fensterbank wachsen kann. Das Kraut braucht zwar viel Licht, aber kann sich auch in einem Topf pudelwohl fühlen, was ich natürlich super finde. Und wusstet ihr, dass Tomaten und Basilikum nicht nur perfekt zusammen schmecken, sondern auch gerne im selben Topf wachsen? Genauso wie Dill und Gurken, ob das ein Zufall ist? Oder dass Hemingway eine Riesenschwäche für Mojitos hatte? Die Mojito-Minze wurde deshalb sogar nach ihm benannt: Hemingway-Minze.

Darf ich vorstellen: Die Grapefruit-Minze! © Rupert Pessl

 

Abgesehen davon hätte ich nie gedacht, dass Minze so vielseitig ist. Sie braucht zwar etwas mehr Platz und viel Wasser, aber man muss die Erde im Topf nur alle zwei Jahre austauschen, was für mich machbar klingt. Schwieriger war die Entscheidung, welche Minzsorte ich denn nun gerne setzen würde. Es gibt nämlich unglaublich viele, von der allbekannten Pfefferminze bis hin zu Schokoladen-, Ananas- und Bananen-Minze. Was mich als Teeliebhaberin auch überraschte, war die Möglichkeit, Minze als Gewürz zu verwenden, z.B.: die Chartreuse-Minze hat ein feines Kümmel-Aroma. Schlussendlich entschied ich mich, in einem 10-Liter-Topf die Orangen-Minze zu pflanzen, die als Lieblingssorte vieler Teetrinker gilt und mich ebenfalls überzeugte. Sobald die Triebe kräftig austreiben, kann man die Blätter für den täglichen Gebrauch laufend bis zum Frost ernten – einfach so!

Unglaublich, ich konnte mir sogar einen Wintervorrat anlegen. So hatte mein kleiner Wintergarten endlich einen Nutzen, weil er doch zu klein war, um es sich darin gemütlich zu machen!

Ab heute wird alles verfeinert...

Heute kann ich in der Früh mein Brot mit frisch gepflückter Kresse verfeinern, die Salate schmecken jetzt noch besser mit den knackigen Kräutern und der Ingwer im Curry ist selbstgeerntet. Ich weiß jetzt, welche Pflanze welchen Topf und welchen Dünger braucht, was einige meiner anfänglichen Fehlversuche erklärt. Und sollte es doch mal zu Anpflanzpannen kommen, ist es auch nicht weiter schlimm, da ich alle Informationen immer nachschlagen kann und im Register sind sie auch noch mal übersichtlich aufgelistet.

Leider habe ich die Dame nie wieder gesehen, die mir das tolle Buch empfohlen hat – falls sie dies lesen sollte, ein großes Danke!

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Unglaublich, aber wahr: auch auf kleinen Balkonen ist vieles machbar! © Rupert Pessl

Jedem anderen Gartenmuffel kann ich „Kräuter richtig anbauen“ nur empfehlen, ihr werdet begeistert sein, wenn Rosmarin und Salbei jederzeit griffbereit sind.

Viel Spaß beim Entdecken, Pflanzen und Ernten!

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Das Gemüse wächst in den Himmel! Und ich schau ihm lächelnd dabei zu.

Schon cool, diese Pflänzchen: Schön eingerahmt in einem schmucken Hochbeet entwickeln sie vergnügt und unbeschwert Blatt für Blatt, knallbunte, knackig-reife Früchte und Geschmäcker zum Niederknien. Ich liebe es! Und ich liebe das neue Buch von Doris Kampas „Das unglaubliche Hochbeet“. Aus Gründen! Die wichtigsten 5 findet ihr hier:

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Gärtnern entspannt? Gärtnern ist mein Meditieren!

Ja wirklich. Klingt zu gut, um wahr zu sein: aber kein Spa-Bereich der Welt kann mit meinem Garten mithalten. Gut, gegen eine kräftige Massage oder ein duftendes Bad habe ich nichts einzuwenden. Aber wenn ich draußen arbeite, meine Pflanzen setze, dem Gemüse beim Wachsen zusehe oder herrlich frische Kräuter aus dem Beet nasche, dann bin ich sicher: Ich möchte nirgends lieber sein als hier. Und genau deshalb habe ich mich auf Anhieb in das Buch „Wühl dich glücklich“ von Andrea Heistinger verliebt: Sie hat sich damit nicht nur in mein Lektorinnenherz geschrieben, sie spricht mir aus der Gärtnerseele!

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Wie ich wieder wild wurde – zumindest im Garten

“Wild thing, you make my heart sing” – sangen schon The Troggs. Mir geht es da ja nicht anders, obwohl mein Herz wohl aus einem anderen Grund höherschlägt als das von Sänger Reg Presley. Mein Herz geht auf, wenn ich höre, wie es in meinem Garten summt, wenn ich sehe, dass es dort kreucht und fleucht. Aber vielleicht nochmal zurück zum Start:

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