Tomaten Saatgutgewinnung. Foto- © Doris Steinböck

Eigenes Saatgut aus Tomaten gewinnen!

In wenigen Schritten von der Frucht zum eigenen Saatgut aus deinem Garten

Du hast heuer eine besonders köstliche alte Tomatensorte für dich entdeckt und möchtest genau diese wieder an deinem Balkon anbauen? Du willst mehr über den Lebenszyklus deiner Pflanzen erfahren und das einfache Ausschütten gekaufter Samen aus einer Papiertüte ist dir zu langweilig? Du möchtest einen Beitrag zur Vielfalt leisten, selbst zur Vermehrung samenfester Sorten beitragen und mit Freunden und Bekannten Samen tauschen?

Dann bist du hier genau richtig, denn hier erfährst du, wie man in wenigen Schritten aus einer reifen Frucht keimfähige Samen erntet, die man lagern, aussäen und tauschen kann und wie du dafür sorgst, dass sich die widerstandsfähigsten, schmackhaftesten oder schönsten Tomaten aus deinem Garten vermehren.

Achtung: Sogenannte F1 Hybride – also Nachkommen von Kreuzungen – können sich nur sehr schlecht vermehren. Achte darauf, dass du samenfeste Sorten verwendest.

Illustration- © Stefan Emmelmann (3)

Saatgutgewinnung für Einsteiger

Tomaten eignen sich dabei besonders gut für den Einstieg, denn:

  1. Sie bilden schon im ersten Jahr Samen.
  2. Sie können sich selbst bestäuben (die Befruchtung findet in der geschlossenen Blüte statt, daher ist das Risiko einer Verkreuzung mit anderen Tomatensorten minimal).
  3. Alles, was du benötigst, ist ein Messer, ein Kaffeelöffel, Gläser, ein Kübel, Siebe,
    Kaffeefilter.

Stehen alle Utensilien bereit, suchst du dir jene Tomatenpflanzen aus, die du vermehren möchtest. Vielleicht entscheidest du dich für die mit den größten Früchten, jene mit dem besten Geschmack, oder die ertragreichsten Pflanzen. Weitere wichtige Faktoren für die Wahl sind: Aussehen, Wuchs, Gesundheit, Zeitpunkt der Reife und platzfeste Haut.

Du nimmst jeweils die schönste Frucht von der gewünschten Pflanze und schneidest die reife Frucht auf, schabst mit einem Löffel die Samen in ein Marmeladenglas oder eine Schale und gibst ein wenig Wasser und eine Messerspitze Zucker hinzu. Bei größeren Mengen oder kleinen Sorten, wie Cherrytomaten, kannst du die Früchte auch ganz kurz mit einem Stabmixer pürieren und etwas Wasser hinzugeben.

Gären

Die Samenhülle wird durch Gärung von den Samen getrennt. Foto: Marus Zuber

Die Samenhülle wird durch Gärung von den Samen getrennt. Foto: Marus Zuber

Wie du siehst, sind die Samen von einer gallertartigen Substanz umgeben, die dafür sorgt, dass sie nicht schon in der Pflanze keimt. Genau von dieser Schicht wollen wir die Samen im nächsten Schritt befreien, dazu lassen wir das Gefäß mit dem Inhalt 2-3 Tage lang an einem warmen Ort abgedeckt (nicht luftdicht verschlossen!) stehen. Ideal ist eine Raumtemperatur von 23-30°.

In dieser Zeit gärt es in unserem Gefäß und Pilze bauen die keimhemmende Schutzschicht ab, dabei kann sich an der Oberfläche eine Hefeschicht bilden.

Der Prozess ist beendet, wenn die Samen an den Boden des Glases sinken und das Fruchtfleisch obenauf schwimmt.

Spülen

Wenn sich die Samen nun nicht mehr glitschig anfühlen, sondern eher eine raue Oberfläche aufweisen, ist es an der Zeit, die vergorene Brühe mit Wasser aufzugießen und das Fruchtfleisch mit dem Wasser abzuschütten, die Samen bleiben dabei im Glas. Mehrmals aufgießen und wegschütten bis das abgegossene Wasser ganz klar bleibt, anschließend die Samen mit einem scharfen Wasserstrahl in einem Sieb reinigen.

Trocknen

Bei Arche Noah werden die Samen in Kaffeefiltern getrocknet. Den Sortennamen mit einem wasserfesten Stift auf den Filter schreiben. Hier trocknen verschiedene Samen auf einem Wäschetrockner, der nicht in der prallen Sonne, sondern im Schatten aufgestellt ist. Foto: Markus Zuber

Bei Arche Noah werden die Samen in Kaffeefiltern getrocknet. Den Sortennamen mit einem wasserfesten Stift auf den Filter schreiben. Foto: Markus Zuber

Jetzt musst du nur mehr die Samen trocknen, dazu kannst du die sie portionsweise in einen Kaffeefilter geben oder einlagig auf einem Holzbrett trocknen lassen. Idealerweise lässt du sie nicht in der prallen Sonne stehen, sondern an einem schattigen, warmen und trockenen Ort.

Nach 2-3 Tagen sollten die Samen dann trocken sein.

Nun kannst du sie abfüllen, beschriften und für lange Zeit aufbewahren.

Eine ausführlichere Beschreibung zur Saatgutgewinnung und jede Menge interessante Infos findest du im Handbuch Samengärtnerei und im Bio-Gemüse-Ratgeber von Andrea Heistinger.