Frauen mit Gemüse und Schneemann
BEITRAGSAUTORIN: Marina Höfler | KATEGORIE: Garten & Balkon | 09.01.2020 | aktualisiert: 09.09.2020

Nice to meet you, Wintergemüse!

Schließe die Augen und stell dir vor: Es ist Mitte Januar, dein Garten ist mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt und doch siehst du es hervorblitzen: dein winterfestes Gemüse, das mutig Kälte, Schnee und Frost trotzt. Du merkst, dass es sich in dieser Winterlandschaft pudelwohl fühlt. Und: Es wartet nur darauf, von dir geerntet zu werden. Doch was sind das für Sorten, die sich nicht von harschen winterlichen Bedingungen unterkriegen lassen? Komm mit auf eine Reise durch das Winterparadies und lerne das winterfeste Gemüse im Selbstportrait kennen – ergänzt durch Tipps von Wintergemüse-Experte Wolfgang Palme!

Inhalt
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Der Farbenfrohe: Mangold
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Das sagt Wolfgang Palme über mich
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Das Süße: Radieschen
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Das sagt Wolfgang Palme über mich
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Der Zarte: Butterkohl
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Das sagt Wolfgang Palme über mich

Der Farbenfrohe: Mangold

Besondere Merkmale: „Mich erkennt man an den kräftigen, fleischigen Blattstielen und der üppigen Blattmasse. Eigentlich gibt es mich in zwei Varianten: als Stielmangold mit gelben, roten, weißen, sogar orange- oder lilafarbenen Blattstielen oder als Blattmangold, der etwas zarter bestielt ist, dafür aber umso blattreicher wächst.“

Meine Freunde: „Ganz klar: Gartenanfängerinnen und Gemüseeinsteiger! Denn ich wachse ganz unkompliziert und anspruchslos. Einmal pflanzen – regelmäßig ernten. Probiert es doch selbst aus!“

Das mag ich: „Regenbögen! Einerseits weil sie Wasser von oben versprechen (und das schätze ich besonders), andererseits weil sie so bunt und leuchtend sind wie ich.“

Das mag ich gar nicht: „Im Herbst vom Beet geräumt zu werden.“

Dafür bin ich zu haben: „Ich bin der ideale Blattspinat, sorge aber auch in der Pfanne für bunte Abwechslung. Meine Stiele musst du etwas länger anbraten als die Blätter. “

Die bunten Blätter des Mangolds zaubern Farbe in deinen winterlichen Garten! Foto: © Wolfgang Palme
Die bunten Blätter des Mangolds zaubern Farbe in deinen winterlichen Garten! Foto: © Wolfgang Palme

Das sagt Wolfgang Palme über mich:

„Mangold ist im Wintergarten wirklich ein herrliches Wintergemüse für Einsteiger. Sorten wie ‚Rainbow‘ oder ‚Bright Lights‘ spielen alle Töne. Es gibt aber auch reinsortige, wie zum Beispiel ‚Feurio‘ in Rot, ‚Pirol‘ in Gelb oder ‚Glatter Silber‘ in Weiß. Diese Sorten können bei Bingenheimer Saatgut oder bei der Samenfirma ReinSaat gekauft werden.

Mangold wird ab April in Töpfe gesät und als Jungpflanze herangezogen. Das erlaubt nach dem Aussetzen im Mai (mit Pflanzabständen von 30 x 30 cm) eine reiche Ernte ab dem Sommer, während des ganzen Herbstes bis über den Winter hinaus. 3–4 Stöcke ernähren nicht nur die eigene Familie, sondern gleich einen guten Teil der Nachbarschaft mit. Denn Mangold ist tatsächlich ein ergiebiger Blatt- und Blattstielproduzent. Die äußeren Blätter einfach ausbrechen, innen wächst immer Frisches nach.

Unser Mangold hat vollkommen recht: im Herbst braucht man ihn keineswegs vom Beet zu räumen. Er ist ein winterfestes Gemüse, das du im Freien stehen lassen und im Winter weiter ernten kannst. Mangold ist bis
-12 °C frostfest
. Bei tieferen Temperaturen zeigen die äußeren Blätter Kälteschäden, nach dem Winter treibt er aber aus dem Herzen wieder frisch aus.

Mangold lässt sich auch bestens in großen Töpfen und Trögen ziehen. Er liebt gute nährstoffreiche Erde und reifen Kompost. Sogar mit Halbschatten gibt er sich zufrieden. Nur für eine regelmäßige Bewässerung sollte man sorgen.“

Das Süße: Radieschen

Spitzname: „Radieserl“

Besondere Merkmale: „Man kennt mich in Rot. Aber meine Geschwister haben gelbe, weiße oder rot-weiße Knollen. Übrigens: ich wachse eigentlich gar nicht unterirdisch, weil meine Knollen keine Wurzeln sind. Sie entstehen aus dem verdickten Stängel zwischen Blatt und Wurzel.“

Meine Freunde: „Salat, Spinat und Mangold in Mischkultur. Ich verstehe mich auch mit meinesgleichen bestens, deshalb treten wir im Bund auf.“

Das mag ich: „Ostern, aber auch Weihnachten! Also: Frühling ebenso wie Winter.“

Das mag ich gar nicht: „Zu eng neben meine Kollegen gesät werden! Bitte vor allem im Winter etwas Respektabstand einhalten, sonst bilden wir nämlich aus Protest gar keine Knollen, sondern nur oberirdisch Stängel.“

Dafür bin ich zu haben: „Für Partys, Feste, Kinderbrotdosen. Jetzt verrate ich dir ein Geheimnis: im Winter schmecke ich gar nicht scharf, sondern süß. Echt! Versprochen!“

Wusstest du, welch wunderbar winterfestes Gemüse Radieschen sind? Das Besondere bei der Ernte im Winter: Sie schmecken gar nicht scharf, sondern süß! Foto: © Wolfgang Palme
Wusstest du, welch wunderbar winterfestes Gemüse Radieschen sind? Das Besondere bei der Ernte im Winter: Sie schmecken gar nicht scharf, sondern süß! Foto: © Wolfgang Palme

Das sagt Wolfgang Palme über mich:

„Radieschen sind der Inbegriff des Frühlings. Dass sie auch ein knackiges, attraktives und winterfestes Gemüse sind, gehört zu den Geheimnissen des Wintergärtnerns. Radieschen sind frostfest bis etwa -7 °C, wobei die Knollen empfindlicher sind als die Blätter.

Aber jetzt von vorne: Ausgesät werden sie für eine Ernte zu Weihnachten einmal Mitte bis Ende September (erster Satz), dann nochmals Anfang bis Mitte Oktober (zweiter Satz) mit einem Reihenabstand von 10–15 cm. In der Reihe wird auf 4–8 cm vereinzelt. Wir zupfen also zu dicht gesäte Keimlinge aus, sodass der Endabstand zwischen den Pflänzchen mit der Knollengröße zusammenpasst. Die ausgezupften Keimpflanzen übrigens bitte nicht wegwerfen – du kannst sie waschen und wie Keimsprossen aufs Butterbrot streuen.

Radieschen sollten ab Ende Oktober ein Dach über dem Kopf haben, um vor spätherbstlichen und winterlichen Niederschlägen geschützt zu werden. Das kann ein mobiler Frühbeetkasten sein oder eine Hochbeethaube. Mit Federstahlstäben und Folienabdeckung lassen sich auch Folientunnel für dein winterfestes Gemüse aufbauen. Zum Lüften wird der Deckel geöffnet oder die Folie hochgeschoben. Zur Kondenswasserbildung sollte es nämlich nicht kommen.

Bei milder herbstlicher Witterung kann der erste Satz schon ab November geerntet werden, der zweite zu Weihnachten. Ist der Herbst kalt und trüb, geht es sich mit dem ersten Satz gut bis Weihnachten aus. In jedem Fall entnimmt man zuerst die größten Knollen und schafft Platz, damit auch die Nachzügler fertig werden.“

Der Zarte: Butterkohl

Besondere Merkmale: „Blasige, kraus gewellte, sehr hellgrüne Blätter; spitzer, locker gefüllter Kopf. Durch Kälte und Frost verfärbe ich mich in ein leuchtendes Gelb bis Orange.“

Meine Freunde: „Sellerie und Spinat in Mischkultur.“

Das mag ich: „Einen frischen, lehmigen, humosen Boden; ausreichend Feuchtigkeit, vor allem während trockener Sommerwochen; Kompostdüngung und Abwechslung hinsichtlich meines Platzes im Garten.“

Das mag ich gar nicht: „Jedes Jahr am selben Beet wachsen müssen. Das macht mich krank.“

Dafür bin ich zu haben: „Meine köstlichen, zart gekrausten Blätter haben bis ins Herz hinein ein mildes, angenehmes Kohlaroma; als Krautfleckerln (das sind diese kleinen viereckigen Nudeln) zubereitet schmecke ich sensationell!“

Erst durch Kälte und Frost verwandeln sich die hellgrünen Blätter des Butterkohls in leuchtend gelbe Augenweiden im eigenen Garten. Foto: © Johannes Hloch
Erst durch Kälte und Frost verwandeln sich die hellgrünen Blätter des Butterkohls in leuchtend gelbe Augenweiden im eigenen Garten. Foto: © Johannes Hloch

Das sagt Wolfgang Palme über mich:

„Der Butterkohl zählt zu meinen Lieblingswintergemüsearten. Im Hausgarten gilt er als Geheimtipp. Und im Erwerbsgemüsebau oder auf dem Markt ist es als winterfestes Gemüse bedauerlicherweise gar nicht zu finden. Das muss sich jetzt ändern!

Der Butterkohl wird Mitte Juni in Töpfe oder Kistchen ausgesät und Anfang bis Mitte Juli im Abstand von
40 x 40 bis 50 x 50 cm ins Beet
oder in den Topf am Balkon gepflanzt. Dort entwickelt er sich im Freien langsam, aber kräftig bis in den Herbst hinein. Erst mit den kühlen Herbstnächten fängt er an, einen Kopf zu bilden und sich gelb bis orange zu verfärben, wobei gilt: je frostiger, desto farbenprächtiger. Ich empfehle die Sorte „Bloemendaalse Gele“ des französischen Samenhändlers Graines Baumaux, weil sie sich besonders schön entwickelt und ausgesprochen gut schmeckt.

Geerntet wird ab November, indem man von außen Blatt für Blatt abnimmt oder nach Bedarf ganze Köpfe abschneidet. Butterkohl ist ein treuer Begleiter bis zum Ende des Winters, wenn die Temperaturen nicht unter -12 °C gehen. Bevor sibirische Kälte einfällt, sollte man ihn lieber abernten, im Keller einlagern und bald genießen. Ab Februar wittert Butterkohl den Frühling. Er fängt von innen her an, wieder grün zu werden.“

Wie sich andere winterfeste Gemüsesorten selbst beschreiben und was Wolfgang Palme über sie zu erzählen weiß, kannst du in „Ernte mich im Winter“ nachlesen. Lerne deinen Gemüsegarten ganz neu kennen! Denn: Ein Winterbeet kann dich ins Staunen bringen. Knallpinke Radieschen, zarte Kohlblätter, schmackhafte Jungzwiebeln oder würziger Schnittlauch – lass dich davon verzaubern!

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