Wildkräuter richtig sammeln: Wir zeigen euch, wie’s geht!

Von Brennnessel bis Frauenmantel: Wildkräuter sind gefragter denn je! Das Motto dabei ist ganz klar: zurück zur Natur. Doch wie entscheide ich nun, was ich wirklich pflücken kann? Wir zeigen euch, worauf ihr beim Sammeln achten müsst und welche Plätze und Tageszeiten sich besonders gut für eure Wildkräuter-Ernte anbieten.

Für die eigene Gesundheit

  • Sammelt ausschließlich essbare Pflanzen, die ihr zu 100 % bestimmen könnt.
  • Sammelt an „sauberen“ Orten. Das heißt, meidet das Sammeln neben stark befahrenen Straßen oder auf Flächen mit hohem Pestizideinsatz. Auch regelmäßig von vielen Tieren besuchte Stellen, wie Parks oder Weiden, sind keine guten Plätze zum Kräutersammeln.
  • Macht sich mit Giftpflanzen in der Natur vertraut. Auch wenn ihr den ersten Tipp befolgt, ist es sinnvoll, giftige Pflanzen erkennen zu können – besonders, wenn ihr mit Kindern in der Natur unterwegs seid. Dazu gehören unter anderem die Tollkirsche, der Blaue Eisenhut, der Rote Fingerhut, das Bilsenkraut, das Maiglöckchen, die Herbstzeitlose oder die Einbeere. Diese Pflanzen treten je nach Region in unterschiedlicher Häufigkeit auf.

Die Natur respektvoll behandeln

  • Erntet nur so viel, so viel ihr wirklich benötigt. Überlegt vor dem Sammeln,
    wofür ihr die Kräuter verwenden möchtet und welche Menge dafür gepflückt werden muss.
  • Sammelt an Orten mit reichem Pflanzenbestand und lasst immer mindestens
    ein Drittel der Pflanzen stehen. Nur so kann der Bestand an diesem Standort erhalten
    bleiben und immer wieder aufs Neue eine Ernte liefern. Wenn ihr Blätter, Blüten und
    Wurzeln mitnehmt, lasst ein paar Blätter und Blüten an der Pflanze oder ein Stück
    Wurzel in der Erde.
  • Pflückt keine geschützten Pflanzen. Manche Kräuter sind gänzlich vom Sammeln ausgenommen, von anderen dürfen Pflanzenteile geerntet werden. Detaillierte Informationen dazu liefert die Artenschutzverordnung Eures Bundeslandes. Diese ist auf diversen Internetplattformen einzusehen. In Österreich findet man sie über das Rechtsinformationssystem (www.ris.bka.gv.at), in der Schweiz über das Portal der Schweizer Regierung (www.admin.ch). In Deutschland gelangt man über die Homepage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (www.bmub.bund.de) zur Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV).
  • Achtet auf eure Umgebung. Manchmal ist man so fixiert auf die Kräuter, die man finden möchte, dass man ganz auf die anderen Pflanzen oder Tiere vergisst, die auf dem Weg zur Sammelstelle liegen und so den Füßen zum Opfer werden können.

Wildkräuter in bester Qualität sammeln

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Gewusst wie: Die Wildkräuter-Ernte geht weit über deinen Garten hinaus. Foto: Rupert Pessl

  • Sammelt nur gesunde und saubere Wildkräuter. Es sollten weder Kotverunreinigungen von Schnecken oder anderen Tieren, noch Fraßspuren oder Rost- und Pilzbefall an den Kräutern zu sehen sein.
  • Sammelt Wildkräuter zur richtigen Tageszeit, sie strotzen dann nur so vor Energie! Das gilt vor allem, wenn Kräuter zur Bevorratung haltbar gemacht werden. Generell ist für die oberirdischen Pflanzenteile die Zeit von ca. 10 Uhr vormittags bis 14 Uhr nachmittags günstig, da sich durch den Sonnenstand viele Aromen bilden, die sich später wieder abbauen. Für die Wurzeln ist der frühe Morgen oder der Abend der beste Sammelzeitpunkt.
  • Sammelt Wildkräuter im richtigen Pflanzenstadium. Generell gilt:

– Blätter sind feiner im Aroma und gehaltvoller, wenn sie jung sind. Sie werden in der Regel vor der Blüte geerntet. Je älter Blätter werden, umso herber und grober sind sie. Sie müssen aber während der Blüte nicht verschmäht werden, die Blätter eignen sich weiter hin zum Kochen von köstlichen Wildkräutergerichten.

– Generell haben Blüten im Frühling und Sommer die meiste Kraft, sind also reich an gesunden Inhaltsstoffen. Über das Jahr verteilt blühen einige Wildkräuter immer wieder neu auf, während andere schon verblühen. In jedem Fall werden Blüten kurz nach dem Aufblühen oder in der Vollblüte bei trockenem und sonnigem Wetter geerntet.

– Wurzeln haben in der Vegetationsruhe, wenn sich die oberirdischen Pflanzenteile zurückgezogen haben, ihren höchsten Wirkstoffgehalt.

Wildkräuter zu sammeln ist mehr als nur einfach ernten: Ihr lernt nicht nur die unendlichen Vorzüge der Natur kennen, sondern bekommt gleichzeitig ein Gespür für den rücksichtsvollen Umgang mit Pflanzen auch außerhalb eures Gartens. In Gerda Holzammans neuem Buch „Gesunde Wildkräuter aus meinem Garten“ erfahrt ihr von der Ernte über den Anbau bis hin zur Nutzung alles, was ihr über Wildkräuter wissen müsst.