Gierschblätter in einem Glas
BEITRAGSAUTORIN: Julia Zachenhofer | KATEGORIE: Naturkosmetik & Kräuterwissen | 06.03.2020 | aktualisiert: 20.08.2020

Bist du das, Giersch? So kannst du Giersch erkennen!

Er ist der Dauerbrenner auf jeder Wiese und wächst in den warmen Monaten quasi überall fröhlich vor sich hin – der Giersch. Hast du auch schon Bekanntschaft mit diesem heilkräftigen und überaus schmackhaften Wildgemüse geschlossen? Hier erfährst du, wie du Giersch erkennen kannst und wofür du ihn verwenden kannst: Verwandle ihn zum Beispiel in eine herrliche Wildkräuter-Quiche! (Das Rezept dazu findest du weiter unten). Lerne den wilden Frechdachs kennen! Eines lass dir sagen: Er kann ganz schön viel!

Inhalt
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Der Giersch stellt sich vor!
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Typisch Giersch: Die wichtigsten Erkennungsmerkmale
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Achtung, Verwechslungsgefahr: der Giersch und seine „bösen“ Doppelgänger
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Ein Giersch-Gericht zum Genießen: vegetarische Wildkräuter-Quiche

Der Giersch stellt sich vor!

  • Mein Name: Giersch (Aegopodium podagraria)
  • Meine Spitznamen: Geißfuß, Hinfuß, Erdholler, Wiesenholler, Dreiblatt, Zipperleinkraut, Podagrakraut …
  • Meine Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
  • Meine Geschwister: Sellerie, Petersilie, Wiesenkerbel, Wiesenkümmel, Wilde Möhre
  • Meine giftigen Doppelgänger: Schierling, Hundspetersilie und Hecken-Kälberkropf
  • Meine Merkmale: dreikantiger Stängel; dreigeteilte und gefiederte Blätter; Geißfüßchen; weiße Blüten; feiner Duft nach Möhre und Petersilie
  • Mein Zuhause: frische, nährstoffreiche Böden; im Halbschatten unter Gehölzen; in Gräben, an Bach- und Flussrändern, in feuchten Gebüschen
  • Meine Erntezeit: Blätter März bis Mai, Blüten Juni bis Juli, Samen August bis September, Wurzeln im Herbst und Frühjahr
  • Meine Verwendung in der Naturheilkunde: bei Rheuma und Gicht; mir wird nachgesagt, dass ich harntreibend, krampflösend, entzündungshemmend und entsäuernd wirke
Giersch erkennen leicht gemacht!
Gestatten, ich bin der Giersch. Foto: © Gerda Holzmann

Typisch Giersch: Die wichtigsten Erkennungsmerkmale

So gern wir den Giersch auf unseren Tellern und in unseren Tinkturen sehen, so aufmerksam müssen wir bei seiner Ernte sein. Das wilde Kräutlein hat nämlich innerhalb seiner Pflanzenfamilie, der Doldenblütler (Apiaceae), einige giftige Verwandte. Gott sei Dank kann man den Giersch eindeutig erkennen. Hier die wichtigsten Giersch-Merkmale auf einen Blick:

✓ Merkmal Nr. 1: Die Blätter

Die Blätter sind das eindeutigste Erkennungsmerkmal des Giersch. Ab März kommen die ersten frischen Blätter aus der Erde. Sie sind:

  • in drei Blattgruppen unterteilt, die wiederum je drei Blätter aufweisen (siehe „Dreierregel“)
  • anfangs saftig hellgrün, später dunkelgrün
  • glatt und am Rand gesägt
Giersch eindeutig an den Blättern erkennen
Im März bin ich eine der ersten Wildpflanzen, die aus dem Bodern hervorlugen. Hier bin ich noch ganz jung! Foto: © Gerda Holzmann

✓ Merkmal Nr. 2: Der Stängel

Der Blattstängel ist:
  • unbehaart und dreikantig (siehe „Dreierregel“ weiter unten)
  • ca. 30 bis 100 Zentimeter hoch
  • gemeinsam mit den Blättern an vielen Stellen zu regelrechten Teppichen ausgebreitet, da der Giersch viele unterirdische Ausläufer bildet (also kriechende Sprossachsen, mit denen er sich vermehren kann)
Dreikantiger Stängel
Gleich erkannt: mein Blattstängel ist dreikantig. Foto: © Gerda Holzmann

✓ Merkmal Nr. 3: Die Blüten

Ab Juni reckt sich ein gefurchter Stängel empor, der eine Doppeldolde trägt. Die Blüten darauf sind:

  • je ca. 3 Millimeter groß
  • weiß bis leicht rötlich/rosafarben
  • zu 5 Blütenblättern gruppiert

Die Blütenstände haben:

  • je ca. 15 bis 20 Dolden (das sind die größeren „Fächer“), aus denen weitere Döldchen entspringen (das sind die kleinen „Fächer“, an deren Enden die Blüten wachsen)
  • kein Hüllblatt (die Blütenstände sind frei und werden von keinem Blatt umgeben)

Die Blüten selbst sind aber oft nicht so leicht von anderen Doldenblütlern zu unterscheiden, reichen also nicht als einziges Bestimmungsmerkmal (siehe „Achtung, Verwechslungsgefahr“ weiter unten).

 

Blühender Giersch mit Schmetterling
Meine Blüten unterscheiden mich leider nur wenig von anderen Doldenblütlern. Schau also genau! Foto: © Rita Demmel

✓ Merkmal Nr. 4: Die Früchte/Samen

Nach der Blütezeit, im August, bilden sich die Früchte des Giersch aus. Sie sind:

  • anfangs grün, später braun
  • zweigeteilt
  • 3 bis 4 mm lang
  • länglich und glatt
  • optisch dem Kümmel sehr ähnlich
Gierschsamen
Meine Samen erinnern in ihrer Form an Kümmel. Foto: © Monika Engelmann

✓ Merkmal Nr. 5: Die Wurzeln/das Geißfüßchen

Am Ende seines Blattstängels befindet sich ein „Geißfüßchen“, das dem Giersch seinen Spitznamen verleiht und woran man ihn gut erkennen kann.

Die Wurzeln selbst sind weißlich und ca. 3 Millimeter dick. Der Giersch vermehrt sich unter anderem durch seine Wurzelausläufer. Mit seinen Wurzeln bildet er ein unterirdisches Netzwerk. An einer geeigneten Stelle in der Nähe wächst er so wieder empor.

„Geißfüßchen“ des Giersch
Zeigt her eure Geißfüßchen! Foto: © Angela Mair

✓ Merkmal Nr. 6: Der Geruch

Der Giersch hat einen angenehmen Duft, der an Möhre und Petersilie erinnert.

✓ Merkmal Nr. 7: Der Standort

Der Giersch wächst an verschiedensten mäßig feuchten, halbschattigen Stellen. Er mag:

  • frische, nährstoffreiche Böden
    Wälder, Waldränder, Gräben,
  • feuchte Gebüsche, Ufer, Gärten und Parks
  • sich gerne unter anderen Sträuchern verstecken

Die „Dreierregel“

„Drei, drei, drei – bist beim Giersch dabei!“ – so lautet ein alter Spruch, um den Giersch zu erkennen. Sie ist die eindeutigste und wichtigste Regel zur Bestimmung der Pflanze.

  1. Der Blattstängel hat eine dreikantige Form.
  2. Vom Stängel gehen drei Blattgruppen
  3. Die Blattgruppen sind wiederum dreifach unterteilt.
Blattgruppen
Aus den drei Blattgruppen ragen je drei Blätter hervor. Foto: © Gerda Holzmann
Gierschblätter
Aus meinem Stängel wachsen drei Blattgruppen. Foto: © Gerda Holzmann

Achtung, Verwechslungsgefahr: der Giersch und seine „bösen“ Doppelgänger

Weiße Blüten in Doppeldolden, petersilienartige Blätter – diese Merkmale treffen nicht nur auf den Giersch, sondern auf viele Doldenblütler zu. Die Verwechslungsgefahr mit dem Giersch ist bei einigen giftigen Vertretern sehr hoch. Darunter finden sich der Gefleckte Schierling (Conium maculatum), der Wasserschierling (Cicuta virosa), der Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum) und die Hundspetersilie (Aethusa cynapium).

Vor allem im jungen Stadium wirken die Blätter sehr ähnlich und später in der Blütezeit bieten die Blüten nur wenige eindeutige Anhaltspunkte zur Abgrenzung. Mit den folgenden Tipps kannst du den Giersch erkennen und von seinen giftigen Verwandten unterscheiden.

Unterscheidung vom Gefleckten Schierling

Eine Verwechslung mit Giersch sollte vor allem beim Gefleckten Schierling (Conium maculatum) vermieden werden, der zu den giftigsten einheimischen Pflanzen zählt. Er erhält den Giftstoff Coniin, der bereits in geringer Konzentration tödliche Nervenlähmungen verursachen kann. Der Gefleckte Schierling kann anhand seines Geruchs und der Verfärbung seines Stängels eindeutig identifiziert und so vom Giersch unterschieden werden.

Gefleckter Schierling Giersch
Geruch unangenehm stechend nach Maus bzw. Mäuse-Urin angenehm nach Möhre und Petersilie
Stängel rote bis rötlich-braune Flecken grün
Größe ca. 80–200 cm ca. 30–100 cm

Unterscheidung vom Wasserschierling

Der Wasserschierling (Cicuta virosa), täuscht oft mit seinem „essbaren“ Geruch nach Sellerie, ist aber gleich wie der Gefleckte Schierling eine hochgiftige Pflanze. Sein eindeutigstes Unterscheidungsmerkmal ist seine knollenartige Wurzel. An den folgenden Eigenschaften lassen sich Wasserschierling und Giersch erkennen.

Wasserschierling Giersch
Wurzeln Wurzelstock knollenartig verdickt mit innen querliegenden Kammern filigranere Wurzeln
Stängel bei Anschneiden tritt eine gelbliche Flüssigkeit aus, die sich später braun verfärbt keine vergleichbare Flüssigkeit
Standort vorwiegend in langsam fließenden bis stehenden Gewässern und Sümpfen wächst nicht in Gewässern, aber an Ufern – Vorsicht ist geboten

Unterscheidung vom Hecken-Kälberkropf

Der Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum) ist zwar der am wenigsten giftige Vertreter unter den Verwechslern, soll aber genauso wenig mit dem Giersch verwechselt werden. Er tritt an ähnlichen Standorten auf, ist aber inzwischen insgesamt eher selten geworden. Sein Erkennungsmerkmal befindet sich gleich wie beim Schierling am Stiel.

Hecken-Kälberkropf Giersch
Stängel rötliche Flecken zur Basis hin sowie keulenartige Verdickung bei den Abzweigungen („Kälberkropf“) grüner, dreikantiger Blattstängel

Unterscheidung von der Hundspetersilie

Eine Verwechslung mit der Hundspetersilie (Aethusa cynapium) ist für aufmerksame Sammler aufgrund der doch sehr unterschiedlichen Blattformen etwas weniger wahrscheinlich. Dennoch sei hier auf diesen giftigen Doppelgänger hingewiesen, damit du ihn gleich erkennen – und dann stehenlassen kannst.

Hundspetersilie Giersch
Blatt viel schmaler und länglicher, feiner gegliedert und gefiedert, am Rand nicht gesägt, an der Unterseite glänzend in drei Blattgruppen mit je drei Blättern, gesägt
Stängel gelegentlich rötlich überlaufen grün
Blüten drei nach unten zeigende, längliche Hüllblätter keine Hüllblätter
Geruch eher unangenehm, beim Zerreiben riecht sie entfernt nach Knoblauch angenehm nach Möhre und Petersilie

So, jetzt weißt du, wie du den lieben Giersch erkennen kannst. Dein Sammel-Körbchen ist gefüllt und du fragst dich jetzt, wofür du das Kraut am besten verwendest? Wir haben hier noch ein Lieblingsrezept für dich: mmmh … eine Kräuter-Quiche!

Giersch in Hülle und Fülle
Ach, du lieber Giersch! Komm jetzt ganz schnell in meinen Kochtopf! Foto: © Angela Mair

Ein Giersch-Gericht zum Genießen: vegetarische Wildkräuter-Quiche

Diese Quiche ist ein richtiger Wildkräuter-Hit! Giersch und Brennnessel verleihen ihr ein kräftiges Aroma. Probier es aus und du wirst sehen, wie gut die Kräuter mit der Füllung harmonieren. Lass es dir schmecken!

Das brauchst du für eine Springform mit 28 cm Ø:

Für den Mürbeteig

  • 250 g Dinkelvollkornmehl
  • 100 g Butter
  • 100 ml kaltes Wasser
  • 1 TL Salz
  • 1 Eigelb, verquirlt

Für die Füllung

  • Je 4 Handvoll Giersch- und Brennnesselblätter
  • 100 g Karotten
  • 80 g Knollensellerie
  • 2–3 EL Öl
  • 1 klein gewürfelte Zwiebel
  • etwas Gemüsebrühe
  • 4–5 Eier
  • 150 g saure Sahne
  • Salz, Muskat, Pfeffer aus der Mühle
  • 120 g geriebener Käse
  • etwas Butter

So geht’s:

  1. Aus Mehl, Butter, Wasser und dem Salz einen Mürbeteig kneten. Diesen zur Kugel formen, abgedeckt 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
  2. 2/3 des Teigs ausrollen, in die gefettete Springform legen und aus dem restlichen Teig eine lange Rolle formen. Diese als Rand 2–3 cm hoch andrücken. Den Teig mit einer Gabel mehrmals einstechen.
  3. Mit verquirltem Eigelb bestreichen. Kühl stellen.
  4. Kräuter und Gemüse waschen und putzen. Die Karotten in kleine Würfel schneiden. Sellerie grob raffeln.
  5. Zwiebeln mit Öl in einer großen Pfanne andünsten. Kräuter, Sellerie und Karotten nach und nach dazugeben, kurz mitdünsten, gegebenenfalls etwas Gemüsebrühe zugeben.
  6. Die Eier schaumig rühren, die saure Sahne unterziehen und mit Salz, Muskat und Pfeffer würzen.
  7. Gemüsemischung gleichmäßig auf dem Teig verteilen, anschließend die Eiermasse darübergießen.
  8. Mit geriebenem Käse bestreuen, Butterflocken darauf verteilen und im vorgeheizten Backofen bei 180 °C Umluft in etwa 30 Minuten goldbraun backen.
  9. Als warmes Hauptgericht mit Blattsalat servieren.
Giersch-Lachs-Lasagne
Mmh, Giersch ist ein wunderbarer Spinatersatz - unbedingt ausprobieren! Foto: © Alice Hönigschmied

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