Wo der Wein wächst – worauf ihr bei der Standortwahl achten müsst

Der eigene Hauswein, gewonnen aus dem Reben im eigenen Garten – klingt unmöglich oder zumindest aufwendig und schwierig? Von wegen! Es braucht kein Weingut in der Toskana, die süßen Trauben lassen sich auch im eigenen Garten und sogar am Balkon kultivieren. Wie das geht, zeigen Sonja und Toni Schmid in ihrem neuen Buch Bio-Wein im eigenen Garten. Mit einfachen Tipps und Tricks, ohne chemische Mittel und komplizierte Techniken führen die beiden durch das ganze Weinjahr, vom Einpflanzen über den Rebschnitt bis zur Ernte – und natürlich zur Weinherstellung.

 

Worauf es bei der Wahl des richtigen Standorts für den eigenen Weinstock ankommt, erklären sie euch in diesem Ausschnitt aus ihrem Buch.

 

Wein braucht nicht unbedingt viel Platz, ein sonniges Plätzchen an der Hauswand reicht aus. Fotos ©Rupert Pessl

Auszug aus „Bio-Wein im eigenen Garten“:

Wein im Gewächshaus

In der Barockzeit waren in Adelsfamilien Glashäuser mit exotischen Pflanzen und Wein sehr schick. Weinstöcke in einem größeren Folien- oder Glashaus sind durchaus möglich, vor allem wenn die klimatischen Bedingungen draußen nicht so günstig sind. Notwendig ist dazu ein großes und hohes Glashaus, damit auch einige Jahre nach der Pflanzung genug Platz für den Weinstock ist. Es bedarf einer guten Rankhilfe und einer guten Belüftungsmöglichkeit, damit die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch wird. Der Weinstock kann innen gepflanzt werden und sich von dort hochranken. Bei dieser Methode sollte berücksichtigt werden, dass Bewässerung ein Thema sein wird, und langfristig sollte die Nährstoffversorgung des Weinstocks
gewährleistet sein. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Wurzeln des Weinstocks im Freien sitzen und durch eine Verbindung ins Glashausinnere geleitet werden. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sich der Weinstock draußen im Freien die Nährstoffe und die Feuchtigkeit, die er benötigt, selbst holen kann. Der Nachteil ist wiederum, dass die Wurzeln bei Stark- und Dauerfrost erfrieren könnten und deshalb mit einem Strohballen geschützt werden müssen. Die sonstige Bepflanzung im Glashaus muss an die von Jahr zu Jahr stärker werdende Lichtkonkurrenz angepasst werden.

 

Wein zur Beschattung eines Gewächshauses

Oft ist ein Glas- oder Gewächshaus in den Monaten zwischen Herbst und Frühjahr sehr praktisch, aber im Sommer zu heiß. Wenn es klimatisch möglich ist und ein Glashaus zur Verfügung steht, kann für die Beschattung in den Sommermonaten außen ein Weinstock gepflanzt werden. Der Vorteil eines Weinstocks liegt darin, dass im Frühjahr das Glashaus von der Sonne gut erwärmt werden kann. Und erst im Sommer, wenn es im Glashaus zu warm wird, ist die Beschattung durch das Laub des Weinstocks vorhanden.

 

Wein am Balkon mit der Wurzel im Boden

Weinstöcke am Balkon sind nicht nur optisch ein schöner Anblick, sondern auch Sichtschutz und Schattenspender im Sommer. Und im Herbst können die Trauben direkt vom Balkon genascht werden. Nach Möglichkeit den Rebstock unterhalb des Balkons pflanzen und bis zum Balkon hochziehen. Wenn das nicht geht, könnte man auch Weinreben im Topf pflanzen, wobei hier nur eingeschränkter Durchwurzelungsraum zur Verfügung steht und mehr Pflege notwendig ist. Sonja: „Wir haben es bei uns im Innenhof so gemacht: Wir pflanzten den Weinstock unterhalb des Balkons direkt in die Erde und zogen ihn mit den Jahren langsam in die Höhe auf unseren Balkon.“

 

Wein an der Hauswand

Wein gedeiht auch am Balkon, hier zum Beispiel mit der Wiurzel im Boden. Fotos ©Rupert Pessl

In klimatisch kühleren Gebieten kann Wein an einer geschützten Südwand (Schuppen, Haus) gepflanzt werden. Die gespeicherte Wärme der Südwand kommt dem Rebstock zugute. Ein Dachvorsprung ist besonders bei empfindlichen Sorten vorteilhaft. Da die Blätter trocken bleiben, ist der Rebstock vor Pilzkrankheiten gut geschützt. Rebstöcke an einer Wand sind nicht nur Traubenlieferanten, sondern auch das ganze Jahr über dekorativ.

 

Wein im Topf

Im Weingarten wird ein Weinstock durchschnittlich 30 Jahre alt. Es handelt sich hierbei um eine intensive Kultur, die maschinell bearbeitet wird und Ertragszwecken dient.
Toni: „Wir haben einen Weingarten mit der Sorte ‚Blauer Zweigelt‘, der bereits 50 Jahre alt ist und noch immer wunderbare Trauben in bester Qualität trägt.“ Ein Weinstock – geschützt unter einem Haus- oder Schuppendach oder gut gehätschelt in einem Hausgarten – kann leicht über 50 Jahre alt werden. Wir kennen einzelne geschützte Weinstöcke, die älter als 100 Jahre sind. Bei einer Pflanze im Topf wird diese Lebensdauer wahrscheinlich nicht erreicht, aber bei guter Pflege kann man sich über einige Jahrzehnte an dem Weinstock erfreuen. Einen Rebstock im Topf kann man fast mit einem Bonsai vergleichen.

Nötig ist auf jeden Fall:
• ein sonniger Standort, eventuell geschützt
und nicht zu windig.
• ein großer Topf mit guter Erde und einer
Drainage. Je größer der Topf, desto besser.
• eine regelmäßige Bewässerung.
• eine Rankhilfe.
• Grundwissen zum Thema Laubarbeiten.
• Grundwissen zum Thema Rebschnitt.

 

Bio-Wein im eigenen Garten“ von Sonja und Toni Schmid

Bio-Wein im eigenen Garten

Ein lauer Sommerabend, ein köstliches Essen am Gartentisch und dazu ein Glas selbst gemachter Wein? Weingewinnung ist auch in geringen Mengen möglich, sodass der eigene edle Tropfen in greifbare Nähe rückt! Rebeln, maischen, pressen – lernen Sie anhand anschaulicher Fotografien und genauer Beschreibungen, wie Sie ihren eigenen Wein herstellen, abfüllen und lagern. Ein außergewöhnlicher Genuss!

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