Gärtnern auf hohem Niveau – das Hochbeet

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Belüftbare Frühbeet-Aufsätzen garantieren eine frühere Ernte. Foto: Alfred Grand

Rückenschmerzen ade! Das Hochbeet ist die wohl rückenschonendste Beetform der Gegenwart. Aber nicht nur deswegen feiert es Hochkonjunktur: Schnecken und Wühlmäuse können durch einfach angebrachten mechanischen Schutz spielend abgehalten werden. Einfache Aufsätze machen es auch gleich zum Frühbeet, wodurch es frühzeitig bepflanzt werden kann. Was Form, Material und Befüllung betrifft, lässt es sich in die Gärten, auf die Terrassen oder auch Balkone individuell einpassen und wird damit zum erhabenen Eyecatcher eines jeden Grüns. Und das Beste: Gärtnern auf kleinstem Raum war noch nie so ertragreich! Durch den Verrottungsvorgang des Kompostmaterials im Inneren des Beets werden Nährstoffe und Wärme freigesetzt, sodass dem Genuss von herrlich frischem Gemüse bis zu zehn Monate im Jahr nichts mehr im Wege steht. Die Geheimnisse über die erfolgreiche Aufstellung und Befüllung, die ausschlaggebend für einen solch traumhaften Wuchs sind, lüftet Biogarten-Expertin Andrea Heistinger. Sie hat sich in ihrem Buch „Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten“ mit dem großen Gartenvergnügen Hochbeet beschäftigt:

Ausschnitt aus: Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten

Woraus soll es sein?

(c) Johannes Hloch (2)

Komfortabel und ertragreich: Das Hochbeet kann euch beides bieten. Foto: Rupert Pessl

Wer sich für ein Hochbeet entscheidet , nehme eines, mit dem er über 20 Jahre und länger seine Freude hat: zum Beispiel aus den massiven und formschön gearbeiteten Lärchenpfosten der Firma Kayserholz (www.kayserholz.at). Wer sich für eine günstige Alternative entscheidet, kann einfach in einer Großobstkiste losgärtnern, die wohl für 2–3 Jahre auch gut halten wird.

Am langlebigsten sind Hochbeete aus Lärchenholz. Das Holz sollte man nie streichen oder ölen. Es vergraut mit der Zeit, und genau diese graue Schicht schützt das Innere vor Verwitterung. Wird mit einem Lack gestrichen, hält sich die Feuchtigkeit zwischen Lack und Holz – und das Holz beginnt zu schimmeln.

Wie groß darf es sein?

Am angenehmsten arbeitet es sich in Hüfthöhe, also auf 70–100 cm. Die Länge ist variabel und richtet sich nach dem Platz, der zur Verfügung steht. Die ideale Breite wird so gewählt, dass das Beet von rechts und links leicht zu bearbeiten ist: 2 x die Armlänge, also 140–160 cm. Und nur halb so breit, wenn es an einer Wand steht.

So bereitest du es auf die Befüllung vor:

Das Hochbeet sollte nicht mit einer Folie ausgelegt werden. Erstens sind die meisten Folien nicht lebensmittelecht. Zweitens schützen Folien das Holz genau dort nicht, wo als Erstes der Zahn der Zeit nagt – nämlich da, wo das Hochbeet auf der Erde steht. Zwischen Folie und Holz kann es auch zu Staunässe kommen und dann fault das Holz eher, als dass es vor Feuchtigkeit geschützt ist.

Anden meisten Standorten kann ein Hochbeet direkt auf den Boden gestellt werden. Die Erde im Hochbeet hat Bodenkontakt. Somit können auch Regenwürmer und andere Mikroorganismen einwandern. Bevor der Rahmen aufgebaut wird, wird auf einem gesunden Mutterboden eine Grube von 20 cm ausgehoben. Auf Standorten, an denen es Mäuse gibt, sollte daher unter dem Hochbeet ein Mäusegitter am Boden aufgelegt werden.

Befüllung der Hochbeete

Es gibt drei bewährte Befüllungsarten von Hochbeeten, die im Folgenden noch genauer erläutert werden. Erstens eine Füllung, die dauerhaft ist und nicht erneuert werden muss. Zweitens eine Füllung im Hügelbeet-Verfahren. Diese sackt über die Jahre zusammen und muss alle 4–5 Jahre erneuert werden. Drittens das Verfahren, das Isabell Bayer entwickelt hat. Auch dieses bietet die Vorteile eines Hügelbeets und muss entsprechend erneuert werden.

Dauerhafte Füllung (für eine Bepflanzung mit Gemüse)

Dauerhafte Füllung eines Hochbeets. Illustration: © Katharina Heistinger

Dauerhafte Füllung eines Hochbeets. Illustration: © Katharina Heistinger

Soll das Substrat möglichst lange im Hochbeet bleiben – idealerweise so lange, wie auch das Hochbeet hält –, muss es gut ausgewählt und gemischt werden. Als unterste Schicht wird eine etwa 20 cm hohe Dränageschicht aus mineralischen Bestandteilen eingefüllt: Kies, Bauschutt (zum Beispiel zerkleinerte Dachziegel), Lava oder Bims. Für das Pflanzsubstrat verwendet man entweder fertig gemischte Trogerde – eine Erdmischung, die sich für die mehrjährige Nutzung eignet und nicht zusammensackt. Viele Erdwerke bieten passende Erdmischungen an, die dann für Starkzehrer noch aufgedüngt werden müssen. Oder man mischt sich die Befüllung selbst aus einem guten Mutterboden (darauf achten, dass keine Unkrautsamen drinnen sind, das heißt idealerweise aus größerer Tiefe entnehmen), und circa 20 % reifem Kompost. Da die Erde im Hochbeet schneller austrocknet als im Mutterboden, bewährt es sich, etwas Lava oder Bims in den Mutterboden einzuarbeiten – außer es handelt sich ohnehin um einen Lehmboden, der gut Wasser speichern kann.

 

Füllung im Hügelbeet-Verfahren (für ein 80 cm hohes Hochbeet)

Hochbeet-Füllung im Hügelbeet-Verfahren. Illustration: © Katharina Heistinger

Hochbeet-Füllung im Hügelbeet-Verfahren. Illustration: © Katharina Heistinger

Die unterste Schichte besteht aus circa 40 cm zerkleinerten Ästen, darauf kommen 10 cm Grasnarben und 15 cm Laub oder ein Laub-Strohgemisch und gemischte Gartenabfälle. Dann werden 10 cm Grobkompost und 30 cm Gartenerde aufgetragen, die mit 20 % reifem Feinkompost vermischt ist. Wer ein höheres Hochbeet errichten möchte, kann die Höhe der einzelnen Schichten anteilig vergrößern. Wer es niedriger haben will, schichtet nur 20 cm Äste auf. Hochbeete, die im Hügelbeet-Verfahren befüllt sind, verrotten die eingearbeiteten Materialien und geben dabei langsam Nährstoffe frei, sodass in den ersten drei Jahren keine weitere Düngung mehr notwendig ist und selbst Starkzehrer üppigst wachsen.

 

 

Füllung im „Bella-Bayer“-Verfahren

Hochbeet-Füllung im „Bella-Bayer“-Verfahren. Illustration: © Katharina Heistinger

Hochbeet-Füllung im „Bella-Bayer“-Verfahren. Illustration: © Katharina Heistinger

Das Hochbeet bis zur Hälfte mit gehäckseltem Misch-Laubwerk befüllen. Das sind die Ausgangsstoffe vieler Kompostwerke, die man auch dort erhält. Die zweite Hälfte wird mit Erde aus dem Kompostwerk befüllt. Diese Füllung muss alle 3–4 Jahre erneuert werden, sie sackt jährlich um circa 30 % zusammen – was aber im Frühling auch Vorteile bietet, da mit einer einfachen Vliesabdeckung ein Wärmepolster geschaffen werden kann und kein eigener Frühbeetaufsatz notwendig ist (siehe Infografik).

 

 

 

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