Hühner
BEITRAGSAUTORIN: Johanna Meusburger | KATEGORIE: Natürlich & nachhaltig leben | 16.10.2020

Ich wollt’, ich hätt’ ein Huhn – Hühner im Garten halten für Anfänger

Was gackert denn da vor dem Fenster? Ach, es sind die drei Haushühner beim allmorgendlichen Würmerfrühstück. Schnell raus und Eier einsammeln für den Sonntagsbrunch! Klingt verlockend? Dann lass doch ein paar Hühner bei dir im Garten einziehen! Sie sind die idealen Tiere für einen Einstieg in die Selbstversorgung. In diesem Beitrag erklären wir dir in 10 Schritten die wichtigsten Basics rund um Hühnerhaltung im Garten.

Inhalt:
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Hühner halten: 10 Schritte bis zum frischen Frühstücksei
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Welche Arbeiten fallen bei der Hühnerhaltung im Garten an?
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Checkliste für deine Hühner im Garten
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Hühner halten im Garten: Lass’ das Gackern starten!

Hühner halten: 10 Schritte bis zum frischen Frühstücksei

Hühner im Garten zu halten, liegt im Trend. Kein Wunder: Sie sind Nutztiere, die fleißig mithelfen und dir zusätzliche Ernten bescheren. Die Hühnerbande lockert mit ihrem Scharren deinen Boden auf, verputzt Schädlinge, ausgejätetes Beikraut und deine Gemüsereste, liefert fantastische frische Eier und verbreitet einfach gute Laune im Garten. Wie alle anderen Haustiere auch brauchen sie aber Zeit, Platz und eine artgerechte Umgebung. Die folgenden 10 Schritte zeigen dir, wie das „Abenteuer Gartenhuhn“ gelingen kann!

1. Von Federvieh und Paragrafen: Sind die Hühner im Garten überhaupt erlaubt?

Zuallererst musst du natürlich sicherstellen, dass deine künftige Hühnerschar nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Ob Hühner im privaten Garten erlaubt sind, hängt unter anderem von der Flächenwidmung ab. Möglicherweise gibt es auch bauliche Vorgaben zu Hühnerstall & Co. Erkundige dich also vorher bei der zuständigen Behörde im Gemeindeamt!

Nicht zu vergessen: Wer Hühner hält, muss das innerhalb einer Woche bei der Bezirksverwaltungsbehörde melden.

Außerdem solltest du mit deinen Nachbarn über deine Hühnerpläne sprechen. Diese dürfen nämlich „nicht unzumutbar“ belästigt werden. Stelle also sicher, dass sie mit Hühnergegacker und -gerüchen einverstanden sind.

Hühner halten
Ob die Hühnerhaltung im eigenen Garten erlaubt ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Foto: © Katharina Mühlbacher

2. Huhn ist nicht gleich Huhn: Wähle eine passende Hühnerrasse

Große, kleine, weiße, braune oder gefleckte – die Hühnerwelt hat einiges an Vielfalt zu bieten. Neben hochgezüchteten Exemplaren für die industrielle Eierproduktion gibt es z. B. auch alte Rassen, die seit Jahrhunderten in der Landwirtschaft genutzt werden.

Als Huhn-Neuling empfiehlt es sich, auf robustere Hühnerrassen zu setzen, die auch den einen oder anderen Fehler verzeihen. Wenn du Kinder hast, dann wähle am besten eine besonders zutrauliche Rasse.

Zu den geeigneten Anfänger-Hühnern zählen beispielsweise:

  • Araucana
  • Plymouth Rocks
  • Sundheimer
  • Barnevelder
  • Orpington
  • Cochin
  • New Hampshire
  • Seidenhuhn
  • Vorwerkhuhn
  • Amrock

Dir liegt Nachhaltigkeit besonders am Herzen? Dann halte am besten nach sogenannten „Zweinutzungshühnern“ Ausschau. Das sind Hühnerrassen, die sowohl für die Eier als auch die Fleischproduktion geeignet sind. Der Vorteil dabei: Hennen und Hähne sind gleichermaßen nützlich und erwünscht!

Übrigens: Du musst dich nicht unbedingt für eine einzige Hühnerrasse entscheiden, eine Mischung ist sogar vorteilhaft.

3. Der Hahn im Korb – brauchst du ihn?

Und damit sind wir auch schon beim nächsten Thema: Den männlichen Exemplaren unter unseren gefiederten Freunden. Ganz allgemein betrachtet brauchst du keinen Hahn, damit deine Hühner Eier legen. Es spricht also grundsätzlich nichts gegen eine „hen party“ — also eine reine Hennengruppe.

Trotzdem erfüllt der Hahn einige wichtige Aufgaben – wusstest du zum Beispiel, dass er …

… für sozialen Frieden im Hühnerstall sorgt und die Hackordnung regelt,

… die Hühnertruppe vor Raubvögeln warnt,

… seinen Hennen besondere Leckerbissen zeigt,

… den Hennen hilft, eine gute Stelle für die Eiablage zu finden.

Und natürlich: Falls du dir Küken wünschst, geht das nur mit einem Gockel. Wie gesagt: Die Hennen kommen aber auch ohne Hahn gut klar. Auch die Geräuschbelästigung durch das Krähen ist nicht zu unterschätzen. Du siehst also, es gibt bei diesem Thema ein Für und Wider.

Huhn und Küken
Du wünschst dir süße, kleine Küken? Dann brauchst du einen Hahn. Foto: © Katharina Mühlbacher

Wichtig: Kläre vorher unbedingt ab, dass auch deine Nachbarn mit dem morgendlichen Hahnenschrei leben können.

4. Zusammen ist Huhn weniger allein: Wie viele Hühner solltest du halten?

Für all jene mit einem kleineren Garten stellt sich die Frage: Wie viele Hühner muss ich mindestens halten? Tatsächlich sind Hühner nämlich Gruppentiere, die gern mit mehreren Freundinnen zusammenleben wollen. Du solltest deshalb mindestens Platz für drei Tiere haben. Manchmal wird eine Gruppe aus vier Hühnern und einem Hahn empfohlen – das muss aber nicht unbedingt sein.

Die obere Grenze für die Hühnerzahl ist meistens durch den Platzbedarf vorgegeben. Bio-Gärtnerin Andrea Heistinger rät zu 10 m² Auslauf pro Huhn. In privaten Gärten ist hier das Limit bald erreicht.

Tipp: Um den Eierbedarf einer vierköpfigen Familie zu decken, sind – je nach Hühnerrasse – ungefähr vier bis sechs Hühner notwendig.

5. Jetzt mal Klartext: Wie viel kostet ein Huhn?

Ein einzelnes Huhn kostet zwischen 25 und 40 Euro, dazu kommen die Kosten für den Stall, Zaun, Tränke und Futterstelle. Je nach Anzahl der Tiere muss man für das Projekt „Federvieh“ also mit Anschaffungskosten von 500–1.000 Euro rechnen. Dafür gibt’s dann aber auch regelmäßig Eier in bester Bio-Qualität.

6. Beinfreiheit für das kecke Huhn: Auslauf und Platz richtig kalkulieren

Scharren, picken und hinter dem Busch verstecken: So ein Hühnerleben ist abwechslungsreicher, als man denkt! Damit deine Hennen ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen können, brauchen sie ausreichend Auslauf. Pro Tier sollten es 10 m² sein. Dazu kommt dann noch der Stall (mindestens 1 m² Stellfläche für drei Hühner).

Wenn du ein Gemüsebeet besitzt, dann musst du den Auslauf einzäunen – ansonsten mampft dir das Hühnervolk den Salat weg. Der Zaun sollte mindestens 2 Meter hoch sein, denn so hoch können die Hühner locker fliegen. Ein wechselnder Auslauf (z. B. in Kombination mit einem mobilen Stall), der immer mal woanders aufgestellt wird, schont die Grasfläche.

Hühner Garten
Hühner brauchen genug Platz. Foto: © Katharina Mühlbacher

Je natürlicher der Auslauf gestaltet ist, desto besser: Büsche, Hecken und kleine Bäume sind bei den Hühnern sehr beliebt, dort suchen sie Schutz vor schlechtem Wetter und Raubvögeln oder spielen Verstecken.

7. Schlaft gut, meine gefiederten Freunde: der Hühnerstall

In der Nacht wollen sich deine Hühner in einen gemütlichen Stall zurückziehen, der sie vor Füchsen, Mardern und sonstigen Fressfeinden schützt.

Du kannst den Hühnerstall entweder fertig kaufen, selbst bauen oder ein vorhandenes Gartenhäuschen umdesignen. Damit sich die Hühnerbande in ihrem neuen Zuhause auch wohlfühlt, sollten auf deinen Stall folgende Punkte zutreffen:

  • Pro Huhn sollte der Stall 0,3 m² Platz bieten.
  • Es gibt Fenster, die das Tageslicht hereinlassen.
  • Eine Schicht Einstreu (Strohhäcksel, Dinkelspelzen oder Hobelspäne) erlaubt das Scharren und Picken.
  • Der Stall ist gut abgedichtet gegen Zugluft, ermöglicht aber trotzdem Frischluftzufuhr.
  • Es gibt erhöhte Sitzstangen, auf denen die Hühner schlafen können (ca. 4–6 cm breit, pro Tier 25 cm lang, mindestens 20 cm von der Wand entfernt).
  • Ein Futterbehälter ist so montiert, dass die Tiere nicht hineinsteigen können.
  • Es gibt ein Trinkgefäß.
  • Die Hühner können ihre Eier in vorgefertigte Legenester legen.
  • Eine stabile Verschlussklappe schützt vor Raubtieren.

Tipp: Als sehr praktisch hat sich eine automatische Verschlussklappe herausgestellt. Sie öffnet sich selbstständig bei Tageslicht und klappt bei Einbruch der Dämmerung wieder zu. Ideal also, wenn du nicht immer mit den Hühnern zu Bett gehst und z. B. abends länger weg bist.

8. Mahlzeit! Was fressen Hühner im Garten eigentlich?

Das Praktische an Hühnern: Sie sind Allesfresser und eignen sich prima als Resteverwerter für Bio-Abfälle. Egal, ob alte Marmelade oder hart gewordenes Brot: Die Hennen feiern es als Festmahl! Trotzdem ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung auch für deine gefiederten Freunde wichtig.

Eine artgerechte Huhn-Diät besteht aus:

  • Bio-Hühnerfutter rund um die Uhr als Grundlage
  • Küchenresten als Zusatz-Snacks: Reis, altes Brot (aufgeweicht), Joghurt, saure Milch, Obst- und Gemüsereste, gekochte Kartoffeln etc.
  • selbst gepickten Raupen, Würmern und Schnecken
  • selbst gerupftem, frischem Grünfutter aus dem Auslauf
  • zerkleinerten, getrockneten Eierschalen als Kalziumquelle
Gemüse für Hühner
Hühner lieben Gemüsereste. Foto: © Andrea Heistinger

Was die Fütterung von Eierschalen betrifft, gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche befürchten, dass die Hühner dadurch Geschmack an ihren eigenen Eiern finden. Wenn man diese trocknet und grob zerkleinert, ist das aber in der Regel nicht der Fall. Alternativ kannst du auch Muschelkalk füttern.

Selbstverständlich sollten die Hühner auch rund um die Uhr Zugang zu Trinkwasser haben. Stark gewürzte, gesüßte oder verschimmelte Speisen eignen sich nicht als Hühnerfutter.

9. Ei, ei, was haben wir denn da? Ein Legenest!

Eiersuchen macht zwar zu Ostern Spaß – wenn man es tagtäglich machen muss, aber eher weniger. Stelle deinen Hühnern deshalb ein eigenes Legenest zur Verfügung, dann weißt du (fast) immer, wo die Eier zu finden sind. Dazu eignet sich zum Beispiel eine Holzkiste mit den Maßen 30 x 40 x 40 cm, die du mit ausreichend Einstreu polsterst. Die Legebox sollte dann im Hühnerstall platziert werden und reicht für ca. 3—5 Tiere.

Tipp: Wenn die Hennen am Anfang nicht gleich wissen, wozu die Legebox da ist, dann kannst du eine Ei-Attrappe (z. B. ein Gipsei) hineinlegen. Erfahrungsgemäß legen sie ihre Eier dann gern dazu.

10. Zusätzliche Extras für das Gluckenglück

Je glücklicher die Hennen, desto schmackhafter die Eier – glauben wir zumindest. Da kann es nicht schaden, mit zusätzlichen Extras für Freude im Hühnerstall zu sorgen: Damit deine Hühner wirklich was zu lachen haben.

  • Sandbad: „Self-Care“ ist auch im Hühnerstall stark in Mode. Bei einem entspannten Sandbad können Hühner den Stress (und Dreck) des Alltags hinter sich lassen. Es sollte mindestens 40 x 40 cm groß sein und kann unterm Dach, im Freien oder in einer Stallecke stehen.
  • Schlechtwetterauslauf: Das ist ein überdachter Außenbereich, in dem sich die Hühner bei Regen die Füße vertreten können. Er sollte einen festen Boden aus Beton oder Terrassenplatten haben, auf dem sich genügend Einstreu befindet.
  • Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten: Ein wenig Spaß muss sein – auch im Hühneralltag. Mit Kletterparcours aus Holzklötzen, Heuballen zum Picken oder kleinen Komposthaufen zum Würmersuchen bringst du Abwechslung in das Hennenleben.
Sandbad und Hühner
Mit einem Sandbad machst du deine Hühner so richtig glücklich. Foto: © Sigrid Drage

Welche Arbeiten fallen bei der Hühnerhaltung im Garten an?

Entspanntes Federvieh: Deine neuen Mitbewohnerinnen sind prinzipiell ganz unkompliziert und sorgen die meiste Zeit für sich selbst. Hühner zu halten ist also nicht allzu aufwändig. Trotzdem: Ein wenig Zeit solltest du schon dafür einplanen.

Folgende Aufgaben fallen z. B. täglich an:

  • Futter und Wasser nachfüllen sowie den Wasserspender waschen
  • Eier einsammeln
  • Futterreste einsammeln
  • Entfernen von Kothaufen
  • Morgens aus dem Stall lassen und abends einsperren (falls du keine automatische Klappe hast)

Einmal in der Woche steht dann das Stallausmisten auf dem Programm, auch die Kontrolle nach Milben sollte einmal wöchentlich stattfinden. Daneben gilt es, die Hühner zu beobachten, gelegentlich zu untersuchen und bei Krankheit einen Tierarzt aufzusuchen.

Tipp: Überlege dir schon im Vorhinein, wer ein potenzieller „Hühnersitter“ sein könnte, falls du mal auf Urlaub fährst.

Checkliste für deine Hühner im Garten

Hier noch einmal kurz und knapp – was solltest du vor dem Hühnerkauf bedenken?

  • Dein Garten bietet genügend Auslauf für mindestens drei Hühner (ca. 30 m²).
  • Du bist bereit, dich täglich um die Tiere zu kümmern (Eier einsammeln etc.).
  • Du hast mit der örtlichen Behörde abgeklärt, dass Hühnerhaltung in deiner Wohnsiedlung erlaubt ist.
  • Die Nachbarn wissen Bescheid und sind einverstanden.
  • Ein artgerechter Hühnerstall (mit Sitzstange, Legebox, Tageslicht und verschließbarer Klappe) steht bereit.
  • Du hast recherchiert, welche Hühnerrasse sich für deine Zwecke eignet.
  • Du hast dich ausführlich informiert, was die Fütterung und Gesundheit der Hühner betrifft.

Hühner halten im Garten: Lass das Gackern starten!

Gemüse aus dem Hochbeet und Eier von den eigenen Hühnern: So kann die Selbstversorgung starten! Hier lässt es sich wirklich mit bestem Gewissen genießen, denn schließlich weiß man ganz genau, dass die Legehennen ein gutes Leben führen. Noch dazu macht die Hühnerhaltung im Garten einfach Spaß und ist vor allem für Kinder ein echtes Erlebnis! Wer weiß, vielleicht gackert es bald auch bei dir zuhause?

Noch mehr Infos rund ums Huhn und eine Anleitung zur Selbstversorgung mit Hühnern findest du in unseren Büchern:

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