Permakultur – Dein Garten. Deine Revolution

Permakultur? Irgendwo hast du diesen Begriff doch bestimmt schon einmal gehört, stimmt’s? Freu dich, denn hier kannst du in die fantastische Welt der Permakultur eintauchen. Lerne ein Gestaltungskonzept kennen, das auf einem fairen und achtsamen Umgang mit allen Lebewesen, Lebensräumen und Ressourcen basiert. Erfahre, was Permakultur mit Revolution zu tun hat und mach am Ende den Test, ob dieses Next-Level-Biogärtnern etwas für dich ist! Es lebe die Permakultur!

Ein Gedankenexperiment:
Dein Garten im Permakultur-Style!


Es summt und zirpt, quakt, brummt, fleucht und tiriliert, kräht und schnattert. Wenn du die Augen schließt, nimmst du den betörenden Duft von Blüten wahr – bei Tag und bei Nacht. Obstbäume, Beerensträucher, Kräuter- und Gemüsebeete sind harmonisch miteinander verflochten. Du brauchst kaum mehr zu gießen, da der Mulch, der auf den meisten Beeten zu finden ist, die Wasserversorgung übernimmt. Und zu ernten gibt es sowieso immer etwas, auch wenn es frischer Wurmhumus oder Wiesenkräuter sind. Längst vergessen sind die Tage, wo der Rasen noch gestriegelt und die Hecken noch frisiert waren. Dein Garten sprüht jetzt nur so vor Leben. Er ist frei.

Parmakultur, Garten
Sigrid Drage auf Streifzug durch ihren Permakultur-Garten. Was landet heute in ihrem Korb? Foto: (c) Nadja Hudovernik

Sigrid Drage lebt dieses Prinzip bereits. Gemeinsam mit Sonnentor hat sie den Frei-Hof aufgebaut, der zu 100 % permakulturell bewirtschaftet wird. Ihr Praxiswissen und ihre Begeisterung teilt sie im Buch „Permakultur – Dein Garten. Deine Revolution“. Lasst uns einen Blick darauf werfen, wie sie im Buch in das Thema einsteigt:

Die Geburtsstunde der Permakultur

Bill Mollison und David Holmgren waren es, die die Permakultur Mitte der 1970er Jahre begründeten. Beide stammen aus Australien und haben intensiv daran gearbeitet, möglichst robuste, sich selbst regulierende landwirtschaftliche Systeme zu entwickeln. Das Ziel: Eine Vielzahl an für den Menschen nützliche Pflanzen und Tiere zu beherbergen. 

Die von ihnen formulierte Permakultur-Ethik, die dem Gestaltungskonzept zugrunde liegt, beschreibt das faire Miteinander und die gemeinsame Verantwortung unserem Planeten gegenüber:

Für die Erde sorgen

Den Artenreichtum an Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen und ihre Lebensräume erhalten sowie Ressourcen wie Wasser, Boden und Energie achtsam nutzen.

Für die Menschen sorgen

Gerechter und bewusster Umgang miteinander und mit unseren (Grund-)Bedürfnissen; dieser beginnt in der eigenen Familie und reicht durch unsere Konsum- und Gestaltungsentscheidungen bis ans andere Ende der Welt.

Überschüsse an Zeit, Geld, Energie und anderen Ressourcen gerecht teilen:

Das ist die Lösung!

Permakulturell bewirtschaftete Orte sind Multitalente!

Vom Balkongarten bis zur Landwirtschaft

 

Sie bieten ideale und dauerhafte Lebensräume für Wildtiere und -pflanzen. Auch der Natur bleibt  genügend Freiraum, um sich zu entfalten. Die naturnahe Gestaltung und die schonende Bewirtschaftung solcher Orte machen sie robust. Es entsteht ein System, das bald selbst in der Lage ist, sich zu regulieren. Sowohl als Lebensraum als auch als Ort der Lebensmittelproduktion.

Ein faires Miteinander, ein schonender Ressourcenverbrauch und Klimaschutz – das ist es, was alles miteinander verbindet. 

Ein Ort zum Träumen: dein wildes Gartenwohnzimmer! 

Permakultur, Garten

Einfach mal Füße und Seele baumeln lassen … Foto: (c) Fabian Weiss

Permakulturelles Gärtnern bietet Anknüpfungspunkte für verschiedene persönliche Interessen und Bedürfnisse und schafft faszinierende erweiterte Wohnräume:

Der Garten wird zum bunten Lebensraum. In diesem erweiterten Wohnzimmer ist die Natur immer präsent. Draußen sein und die Sterne beobachten, am Lagerfeuer zu Gitarrensound trällern, den Ameisen bei ihrer Wanderung zusehen, mit Enten oder Hühnern kuscheln … Und dann gibt es immer etwas zu ernten und zu entdecken. Dein Lebensraum hört nicht an der Türschwelle auf!

Die Natur ist die beste Lehrmeisterin, die du dir vorstellen kannst. Sie zeigt uns, wie wie wir mit Einfallsreichtum, Vielfalt und Flexibilität Ressourcen und Energie besonders effizient einsetzen können. 

Und der Permakultur-Garten macht’s der Natur nach: Indem die verschiedenen Gartenelemente gut ausgewählt sind und miteinander in nützlichen, harmonischen Beziehungen stehen, nutzen sie Ressourcen ebenfalls wirtschaftlicher – egal ob Materialien, Zeit oder Energie. 

Blick deinem Garten tief in die Augen, lerne ihn kennen und lass dir Zeit dabei!

Permakultur, Tomaten, Gärtnerin
Lieber Garten! Schön, dich kennenzulernen. Foto: (c) Nadja Hudovernik

Beim permakulturellen Gärtnern geht es nicht darum, viele schnelle, einfache Tipps zusammenzutragen. Lieber Schritt für Schritt zum „Insider“ im eigenen Garten werden.

Lern deinen Garten doch erst einmal kennen! Er kann dir ganz genau zeigen, was er braucht und wann er es braucht. Das ist oft nützlicher als jeder allgemeine Gartentipp!

Natürlich ist noch kein „Insider“ vom Himmel und das macht auch nichts:

Faszination und Interesse für die Natur, etwas Geduld und Kreativität sind die wichtigsten Eigenschaften, um den eigenen Zugang zum permakulturellen Gärtnern zu finden.

Permakultur-Gärten, ob groß oder klein, sind deshalb sehr individuell und haben trotzdem eines gemeinsam: das Miteinander auf Augenhöhe zwischen Mensch und Natur. Ist doch schön, nicht?

Permakultur heißt immer, miteinander zu wachsen!

Ein Permakulturist kommt selten allein! Nicht nur, weil wir umzingelt sind von wuchernden Himbeerstauden, Marienkäfern und unzählbaren Bodenorganismen in der Aussaaterde. Auch, weil gemeinsames Tun, Tauschen und Schenken von Ernten, Wissen, Zeit und anderen Ressourcen das Leben erst richtig schön machen. Wenn Holundersirup, Zucchini, Kompostwürmer (aus des Nachbars Komposthaufen – gibt es ein besseres Geschenk für angehende GärtnerInnen als dieses?) und Co. über die Grundstücksgrenzen wandern, zeigt sich wieder einmal, dass Kooperationen immer noch besser schmecken und mehr Freude machen als jeder Supermarktbesuch.

Pärchen, das erntet
Gemeinsam macht Permakultur noch viel mehr Spaß! Foto: (c) Nadja Hudovernik

Aber was hat Permakultur mit Revolution zu tun?

Revolution ist ein starkes Wort. Manchmal wird es zwar für Alltagssituationen verwendet, bezeichnet aber eigentlich eine tiefgreifende Wandlung eines bestehenden Systems in eine neue Ordnung.

Gärten werden üblicherweise ganz und gar nicht mit Revolution assoziiert, sind sie doch meist private, geschützte Orte, in denen „kleine Welten“ aufgebaut werden – einerseits blickdicht abgeschottet, andererseits vielleicht mit einigen Vorzeigeobjekten auf einer öffentlich sichtbaren Seite. „Revolutionär“ kann dein Garten dann werden, wenn du weit über den Gartenzaun blickst, denn zu deinem Permakultursystem gehören alle Orte, Lebensräume, Menschen, Tiere, Pflanzen, die zu deiner Versorgung, deiner Gesundheit und deinem Wohlbefinden beitragen und die du mit deinem Handeln beeinflusst.

"Permakultur ist keine besondere Art zu gärtnern, sondern ein Gestaltungskonzept, das auf dem fairen und achtsamen Umgang mit allen Lebewesen und Lebensräumen unseres Planeten basiert."

Die Gestaltung, die Nutzung und der Schutz der Landschaft sind zentrale Aspekte von Permakultur. Sie kann uns nur dann vielfältige und produktive Lebensräume zur Verfügung stellen, wenn wir ihre natürlichen Kreisläufe erhalten oder, wenn diese bereits gestört sind, wieder ermöglichen.

Die Revolution im Garten meint, sich zu öffnen. Weg von den privaten, ganz persönlichen Bedürfnissen hin zum Verständnis zu gelangen, dass es um uns alle geht und durch eine Summe an ökologisch zukunftsfähig bewirtschafteten Gärten, Grünräumen und landwirtschaftlichen Flächen das faire Zusammenleben auf unserem Planeten möglich wird.

Foto: (c) Nadja Hudovernik

Ist Permakultur etwas für dich? Finde es heraus!

Illustration zu Permakultur
Na, wie sieht's bei dir aus? Illustration: (c) Tina Radulovic

Ein ganz besonderer Buchtipp für dich, deine Pflanzen und wilde Besucher: 

Wie wild dein Permakultur-Garten am Ende dann wirklich ist, liegt natürlich ganz bei dir! Sigrid Drage stellt in ihrem neuen Buch Permakultur – Dein Garten. Deine Revolution die verschiedensten Projekte vor, die du sofort angehen kannst. Wie wäre es mit einem Miniteich am Balkon, einem Kräutertopfgarten oder einem Bauerngarten-Blumenbeet? Was hältst du davon, Honigbienen oder Laufenten ein Zuhause zu geben, einen Lehmofen zu bauen oder sogar einen Regenwasser-Speicherteich? 

Wir wünschen viel Vergnügen bei deinem nächsten Permakultur-Projekt!