Wildgarten anlegen

Naturgarten anlegen: So schaffst du dir dein lebendiges Gartenidyll

Perfekt getrimmte Thujenhecken findest du sterbenslangweilig? Du würdest Brennnessel und Löwenzahn niemals als Unkraut bezeichnen? Dann bist du hier richtig, denn in diesem Artikel geht es um Naturgärten – also lebendige, bunte, ja, auch manchmal etwas verwilderte Gärten. Wir liefern dir einige Tipps, wie du einen solchen Naturgarten anlegen kannst, und auch sonst viel Wissenswertes rund ums naturnahe Gärtnern.

Naturgarten – was ist das überhaupt?

Ein Naturgarten ist ein Garten nach ökologischen Prinzipien und bietet einen Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen. Dazu setzt man auf nachhaltige Ökosysteme, wie sie auch in der Natur vorkommen – zum Beispiel Blumenwiesen mit Wildkräutern, Teichbiotope oder Steinhaufen. Außerdem gelten für solche Gärten drei Grundprinzipien:

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel
  • Verzicht auf Torf

Also – ein natürlicher Garten bedeutet vor allem Leben: Hier brummt, zwitschert und quakt es, dass es eine Freude ist. Langweilig wird es hier nie.

Was gehört in einen Naturgarten?

Naturgarten anpflanzen
Ein „wildes Eck“ darf in keinem Wildgarten fehlen! Foto: © Sigrid Drage

Gleich mal vorweg: Eine Checkliste für den Naturgarten gibt es nicht. Jedes Fleckchen Garten ist einzigartig und bietet andere Bedingungen. Beim nachhaltigen Gärtnern geht es vor allem um das Beobachten und Sich-inspirieren-Lassen. Eine kleine Böschung?

Warum nicht mit Kräutern bepflanzen? Ein ungenutzter Bereich hinter dem Komposthaufen? Warum nicht ein „wildes Eck“ daraus machen? 

Die folgenden Ideen sind also nur erste Anregungen – und Perfektion ist im Naturgarten sowieso fehl am Platz …

Los geht’s: Naturgarten planen, anlegen und gestalten

Da steht man also vor einem Stückchen Grün und träumt vom romantischen Wildgarten. Aber wie kommt man da hin? Einen 5-Schritte-Plan können wir dir leider nicht bieten – denn sowas gibt es in der Natur auch nicht. Aber ein paar Grundprinzipien helfen trotzdem, um den Naturgarten zu planen und zu gestalten:

  • Wunschliste schreiben: Mach deine Träume etwas konkreter – was wünschst du dir in deinem Garten? Gemüse und Obst zum Selbstversorgen, eine Hängematte, Spielmöglichkeiten für deine Kinder? Welche Bedürfnisse haben die einzelnen GartenbewohnerInnen?
  • Lagecheck: Lerne deinen Garten kennen! Beim Naturgärtnern versucht man, auf das einzugehen, was da ist: Wo scheint wann die Sonne hin? Gibt es natürliche Wasserquellen? Wie ist der Boden beschaffen? Wie ist überhaupt das Klima bei dir in der Gegend? Welche Pflanzen und Tiere tummeln sich dort bereits? Es schadet auch nicht, sich eine kleine Grundstücksskizze anzufertigen.
  • Von der Natur inspirieren lassen: Die besten Ideen für einen natürlichen Garten bekommt man in der Natur – wer hätte es gedacht? Beim aufmerksamen Spaziergang durch Wald, Wiesen und Felder findet sich reichlich Inspiration für dein natürliches Gartenparadies.
  • Praktisch werden: Im Endeffekt geht es darum, ein praktisches und funktionierendes Ökosystem zu schaffen, das ohne künstliche Pestizide auskommt. Überlege, welche Ressourcen du dafür benötigst (z. B. Wasser, Kompost, natürlichen Dünger) und wo sie herkommen könnten.

Tipp: Wenn dich das Thema Nachhaltige Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft interessiert, dann suche am besten nach Informationen zu Permakultur und Naturgarten.

  • Beobachten und flexibel sein: Im Schatten der Weißdornhecke wachsen regelmäßig wilde Pilze? Dann könnte sich der Ort ja auch gut für die Zucht von essbaren Pilzen eignen! Statt der Natur ein enges Korsett aufzudrücken, gilt es, genau hinzuschauen und von ihr zu lernen. Denn ein Wildgarten ist immer in Veränderung, und die Kunst besteht darin, flexibel darauf zu reagieren.
  • Öfters mal nichts tun: Eine der schönen Sachen am Wildgarten ist, dass Nichtstun ab und zu ausdrücklich gewünscht ist. Was gibt es Besseres, als die Füße von sich zu strecken und die Natur einfach mal machen zu lassen?
Kräuter im Wildgarten
Bevor es los geht, sollte man sich genau informieren, wo welche Pflanzen am besten wachsen können. Foto: © Sigrid Drage

So nützlich, so widerspenstig: heimische Pflanzen für den Naturgarten

Rhododendron oder Hainbuche: Welche Pflanzen eignen sich für den Naturgarten? Und wie bietet man Hummeln, Vögeln und Käfern ein leckeres Schlemmermenü? Heimische Vielfalt – so lautet die Devise! Bienen und Hummeln bevorzugen dabei ungefüllte Wiesenblumen und Stauden statt überzüchteter Prachtblumen, denn in Letzteren findet sich kaum Nektar.

Mit diesen Pflanzen holst du dir das Summen und Zwitschern in den Garten:

  • Staudenbeete, z. B. mit Königskerze, Lupinen, Schafgarbe, Akelei und Waldgeißbart
  • einer Wildstrauchhecke als Einzäunung: Liguster, Weißdorn, Hagebutte oder Holunder
  • Wiesenblumen wie Margeriten, Wegwarte, Klatschmohn, Flockenblume, Wiesensalbei und Rote Lichtnelke
  • urige Obstbäume, z. B. Apfel-, Birnen- oder Kirschbäume
  • Laubbäume wie Schwarzpappel, Erlen, Korbweiden oder Faulbaum
  • Wildkräuter wie Brennnessel, Weißklee, Löwenzahn, Giersch, Spitzwegerich und Wilde Möhre

Tipp: Die Brennnessel kommt äußerlich zwar eher bescheiden daher, aber man sollte sie nicht unterschätzen! Sie ist ein wahrer Schmetterlingsmagnet, und es lässt sich daraus biologischer Dünger herstellen.

Dein ungezähmter Naturgarten: 9 Ideen für mehr Wildheit vor dem Haus

Alles ist gut, solange du wild bist: Wer genug hat vom braven Vorgarten-Einerlei, kann den eigenen Garten bereits mit ein paar Tricks zum Leben erwecken. Die folgenden 9 Naturgarten-Ideen können dir dabei als erste Inspiration dienen:

1. Lass mal locker: das wilde Eck

Im wilden Eck darf die Natur walten und schalten, wie es ihr gefällt. Der Clou ist, hier einfach gar nicht einzugreifen. Ob ein kleiner Streifen neben dem Gemüsebeet oder ausgedehnte Wildniszone – ein wildes Eck lässt sich sowohl in kleinen wie auch in großen Gärten realisieren. Idealerweise befindet es sich eher am Rande des Grundstücks, sodass die Tiere und Pflanzen einen ungestörten Ruhebereich haben.

Igel im Wildgarten
Hallo, Igel! Ein Naturgarten bietet Lebensraum für viele Tiere. Foto: © Sonja Schwingesbauer

2. Willkommen, kleiner Igel: der Ast- und Steinhaufen

Ein Haufen aus trockenen Ästen und Steinen wird manchmal auch als Totholzhaufen bezeichnet. Dabei ist dieser Haufen ganz und gar nicht tot, sondern dient Igeln, Käfern, Eidechsen und Spinnen als willkommener Unterschlupf. Übrigens: Auch alte Baumstümpfe und morsches Holz haben eine wertvolle Funktion, sie beherbergen zum Beispiel Wildbienen oder bieten Nistplätze für Vögel.

3. Mmmh, lecker! Wildobsthecken als Vogelsnack

Wildobsthecken sind wahre Multitalente: Sie geben dir Sichtschutz, ihre Blüten sind äußerst beliebt bei Insekten und von den Früchten können Vögel und Menschen gleichermaßen naschen. Nicht zuletzt schätzen auch Igel und Kröte die Hecke als diskretes Versteck. Mehr als genug Gründe also, die für Felsenbirne, Kornelkirsche und Co. sprechen.

4. Ein Komposthaufen: frischer Humus gefällig?

Der Komposthaufen ist tatsächlich fast ein Pflichtbestandteil im Bio-Garten, besonders wenn du noch Gemüse anbaust. Er versorgt deine Nutzpflanzen mit nährstoffreichem Humus, was im Naturgarten umso wichtiger ist, da wir hier ja auf künstlichen Dünger verzichten.

5. Stein auf Stein – die Mauer muss bald fertig sein!

Ja, wir geben es zu: Wir haben die Absicht, eine Mauer zu errichten. Und zwar eine Trockensteinmauer! Eine solche Mauer kommt ganz ohne Mörtel aus und ist ein Biotop für verschiedenste Lebewesen, die es trocken und warm mögen. Zwischen den Mauerritzen siedeln sich gern einige Kräutchen an – das kann man durchaus beschleunigen, indem man selbst Thymian oder Oregano einsät.

6. Alle Vöglein sind schon da: allerhand gemütliche Nistplätze

Herein in die Vogel-Kinderstube: Erleichtere unseren gefiederten Freunden das Brüten, indem du ihnen geeignete Nistplätze anbietest. Dafür eignen sich einerseits Sträucher, Hecken und tote Bäume, andererseits kannst du auch mit Nistkästen nachhelfen. Dabei sollte man darauf achten, die Nistkästen richtig aufzuhängen, das Einflugloch muss zum Beispiel nach Osten oder Südosten zeigen.

Bienenhotel im Wildgarten anlegen
Bienen- und Insektenhotels lassen sich mit Hilfe von vielen Naturmaterialien auch ganz einfach selbst bauen. Kreativität ist gefragt! Foto: © Sigrid Drage

7. Summ, summ, summ: das 5-Sterne-Insektenhotel

Nicht nur Vögel, auch nützliche Insekten freuen sich über komfortable Unterkünfte. Frau Wildbiene und Herr Tausendfüßler steigen zum Beispiel sehr gern im luxuriösen Insektenhotel ab. Ein solches kannst du dir aus Schilfmatten, Bambusrohren und Holzresten einfach selbst bauen.

8. Nächtliches Quak-Konzert gewünscht: ein Gartenteich

Neben den Trockenbiotopen – Stichwort „Asthaufen“ und „Trockensteinmauer“ – holst du dir mit einem Feuchtbiotop weitere Artenvielfalt in den Garten: An einem fachgerecht angelegten Gartenteich tummeln sich schon bald Posthornschnecken, Wasserkäfer, Libellen, Kröten und Frösche.

Wenn du nicht genug Platz für einen „richtigen“ Teich hast, kannst du dir trotzdem Mini-Wasserstellen einrichten: Fülle eine Wanne oder einen Trog mit etwas Kies, Sand und Wasser und bepflanze das Ganze mit ausgewählten Wasserpflanzen (z. B. Sumpf-Schwertlilie, Fieberklee, Froschlöffel oder Binsen). Fertig ist dein Mini-Biotop!

9. Eins mit der Natur: dein persönliches Genießerplätzchen

Moment mal, jetzt fehlt ja noch ein Gartenplätzchen für dich selbst im Naturgarten. Schließlich bist du ja auch Teil der Natur. Also schaffe dir einen gemütlichen Ort, von dem aus du deinen prächtigen Wildgarten beobachten kannst. Eine Hängematte zwischen den Obstbäumen oder eine kleine Laube mit Wildrosen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Wildgarten anlegen: eigenwillige Vielfalt statt englischer Rasen

Den Bio-Holunder vom Strauch ernten, mit Kindern auf Insektenerkundungstour gehen oder den aromatischen Wiesenblumenduft einatmen: Argumente für einen Wildgarten gibt es viele. Denn mit einem solchen Garten schaffst du dir einen spannenden Erholungsraum vor der Haustüre und förderst noch dazu die heimische Artenvielfalt. Und dabei muss es nicht sofort ein ausgeklügelter Biogarten mit Gartenteich sein: Einfach mal klein anfangen, ein Stück Wiese beim Rasenmähen stehenlassen und sich nach und nach von der Naturgarten-Begeisterung anstecken lassen.

Noch mehr Informationen zum naturnahen und nachhaltigen Gärtnern bieten unsere Bücher:

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