So schafft ihr Lebensraum für Nützlinge!

Ein Nützling ist ein Organismus, der im Garten dazu beiträgt, schädliche Tiere zu bekämpfen – somit ist er einer der wichtigsten und effektivsten  Pflanzenschutzmaßnahmen! Die Bandbreite dieser Helferlein ist enorm: Sie reicht von Spinnentieren, Insekten, Säugetieren bis hin zu Pilzen oder Bakterien. Leider wurden die Gärten in letzter Zeit immer mehr gesäubert – jetzt ist es also wieder an der Zeit, Nützlinge im eigenen Garten zu fördern und Lebensraum für sie zu schaffen!

Bietet euren kleinen Helfern im Garten ausreichend Blüten an, um sie anzulocken.

In ihrem neuen Buch „Handbuch Pflanzenschutz im Biogarten“ zeigen euch Fiona Kiss & Andreas Steinert, wie ihr Pflanzenschädlinge und Krankheiten in eurem Garten erkennen und ihnen mit umweltschonenden Verfahren entgegenwirken könnt. In diesem Ausschnitt erfahrt ihr, wie ihr Nützlinge in euren Garten lockt und wie ihr Unterkünfte ganz einfach selber bauen könnt! 

🐝 Also macht euren Garten zu einem Paradies für Nützlinge! 🐝

Fotos: Fiona Kiss

Wie locke ich Nützlinge an und überzeuge sie zu bleiben?

Um ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen zu erreichen, müsst ihr folgende Denksätze in euer Leben lassen:

  • Ich betreibe duldenden Pflanzenschutz: Mein Garten braucht einen gewissen Besatz an Schädlingen (Futter für meine Nützlinge!).
  • Ich schaffe Unterkünfte und locke dadurch Nützlinge an.
  • Ich greife nur vorsichtig und bedacht in das natürliche Gleichgewicht ein (zuerst beobachten und Informationen einholen).
  • In meinen Garten kommen keine chemischen Pestizide.
  • Das Spritzen, selbst von Biomitteln, ist immer die letzte Wahl (vorher alle anderen Maßnahmen anwenden).

Wie fördere ich Nützlinge im Garten

Viele Raupen, wie der Frostspanner, sind sehr wichtig für die Nahrungskette – ein gewisser Befall und Fraß an unseren Pflanzen ist völlig normal und deckt den Tisch für Vögel, Grabwespen und viele andere.

  • keine chemischen Pestizide!
  • duldender Pflanzenschutz – gewisser Schädlingsbefall nötig als Nahrung für Nützlinge
  • strukturreiche Gärten – vielfältige Lebensräume
  • blütenreiche Beete, Hecken und Heckensäume, Bäume, wilde Ecken
  • Verstecke, Unterschlupf- und Überwinterungsmöglichkeiten anbieten
  • Staudenrückschnitt erst im Frühjahr, da viele Tiere in den hohlen Stängeln überwintern

Kein Mensch würde mit seinen hungrigen Kindern in ein Gasthaus gehen, in welchem nur Getränke angeboten werden. Ähnlich ist es für Nützlinge. Die Schwebfliege oder der Marienkäfer legen ihre Eier nur in euren Garten ab, wenn sie dort Blattläuse finden. Mitten in der Blattlauskolonie könnt ihr die Eigelege finden, und kaum schlüpfen die Jungen, machen sich diese auch schon hungrig über die Beute her. Was brauche ich also in meinem Garten, um ein harmonisches Gleichgewicht herstellen zu können? Zuallererst einmal Geduld! Die Umstellung eines Gartens braucht seine Zeit. Die Umstellung in den Köpfen der Menschen meist noch etwas länger. Lasst euch auf das Experiment ein. Je mehr ihr den kleinen Helfern vertraut und je mehr ihr versucht, diesen Tieren Heimat und Futter anzubieten, umso schneller stellt sich der Erfolg ein. Wir empfehlen, bis zu drei Jahre als Umstellungsphase einzuplanen. In diesen drei Jahren des Beobachtens, Informierens und Experimentierens werdet ihr so viel Wissen über euren eigenen Garten erlangt haben, dass sich nach dieser Zeit eine wunderbare Entspannung einstellt. Es gibt natürlich einige einfache Mittel, um schneller zum Erfolg zu kommen:

Mit Geduld und Gelassenheit erreicht ihr im Garten meist mehr.

Schafft vielfältige Lebensräume und Nahrung durch ein reichhaltiges Blütenangebot. Achtet bei der Pflanzenauswahl auf eine gute Mischung. Verwendet auch einheimische Pflanzen, an die unsere Tierwelt besser angepasst ist. Achtet auf ungefüllte Blüten, auch einfache Blüten genannt, die den Insekten ihre Pollen bereitwillig zur Verfügung stellen und eine leicht erreichbare Nahrungsquelle sind. Gefüllte Blüten enthalten kaum Pollen, sind schwer zugänglich und lassen keine Nahrungsaufnahme zu.

Wildbienen brauchen Pollen und Nektar, um euer Wildbienenhotel zu besiedeln. Es handelt sich hier um einzeln lebende Bienen, wie Mauerbienen (v. a. Osmia spp.), Blattschneiderbienen (Megachile spp.), Löcherbienen (Heriades spp.), Maskenbienen (Hylaeus spp.) und Scherenbienen (Chelostoma spp.), die völlig harmlos sind und nicht stechen.

Summendes und brummendes Nützlingshotel von „Natur im Garten“ auf der GARTEN TULLN in Niederösterreich. Das Blütenangebot wurde gleich mitgepflanzt!

Von den ca. 750 Wildbienenarten im deutschsprachigen Raum leben 19 % in bestehenden Röhren, wie sie das Nützlingshotel bietet. Wenn euer Wildbienenhotel nicht ausreichend besiedelt wird, kann dies an einem zu geringen Blütenangebot in der Umgebung liegen. Etwa 80 % der Blütenpflanzen sind bei der Bestäubung auf Insekten angewiesen. Auch Florfliege und Schwebfliege suchen blütenreiche Gärten lieber auf und legen dort dann freudig ihre Eier in die Blattlauskolonien. Doldenblütler und Korbblütler bieten einer Vielzahl an Tieren reichhaltige Nahrung und lassen die Insekten in eurem Garten nur so summen und schwirren. Auch Grabwespen und Lehmwespen besiedeln gerne Wildbienenhotels. Sie tragen Raupen statt Pollen in die Bruthöhlen ein und fungieren so als Nützlinge.

 

Strukturen und Unterkünfte für Nützlinge

Im Handel sind viele Nützlingsunterkünfte erhältlich, wie Wildbienenhotels, Vogelnistkästen, Fledermauskästen, Hummelunterkünfte, Igelhäuser etc. Ihr könnt diese aber auch selber bauen. Beim Bau von Wildbienenhotels ist es wichtig, das richtige Material zu verwenden und es dann ost- bis südseitig aufzustellen. Gerade bei den Wildbienenhotels wird viel Schindluder getrieben. Schlecht gebaute Hotels könnt ihr bereits überall bekommen. Die mangelhafte Fertigung zeigt sich im Folgejahr in der mangelhaften Besiedelung. Qualitativ hochwertige Hotels haben daher auch ihren Preis.

Was bei Wildbienenhotels zu beachten ist

  • unbehandeltes Holz für den Rahmen verwenden
  • Dachüberstand mindestens 10 cm zum Schutz vor Schlagregen
  • trockenes Hartholz eignet sich gut für faserfreie Bohrungen von 2–9 mm Durchmesser
  • hohle Stängel: Schilf-, Bambus-, oder Staudenstängel mit glatten Schnittflächen bündeln und einfüllen
  • morsches Holz für Asseln, Laufkäfer, Tausendfüßer unten einfüllen
  • Vogelschutzgitter etwas vorgelagert anbringen, 5 cm Mindestabstand zur Befüllung einhalten
  • ost- bis südseitig aufstellen bzw. aufhängen
  • Brutröhren sind ganzjährig besiedelt, daher nicht säubern, nur eventuell ergänzen
  • Besiedlung fördern durch Angebot geeigneter Futterpflanzen im Umfeld von Nisthilfen (Korbblütler, Schmetterlingsblütler, Kreuzblütler, Lippenblütler, Weiden, Obstbäume, Natternkopf, Glockenblumen usw.)

 

„Handbuch Pflanzenschutz im Biogarten“ von Fiona Kiss & Andreas Steinert

Wie ihr Ohrwurmverstecke aus Töpfen mit Holzwolle als Füllung spielend leicht selber basteln könnt, wie ihr Pflanzenschutzmittel selber herstellen könnt und viele weitere Tipps und Tricks findet ihr bei Fiona Kiss & Andreas Steinert in ihrem „Handbuch Pflanzenschutz im Biogarten“.

Die über 500 Farbfotografien und die zahlreichen Detailbeschreibungen helfen euch, euren Garten besser kennen zu lernen. Fiona Kiss & Andreas Steinert zeigen euch wirkungsvolle Maßnahmen, wie ihr Schädlinge und Krankheiten in eurem Biogarten erkennen und ihn davor schützen könnt!