Huhn gehabt, oder: die Liebe zu Henne und Ei neu entdecken

„Kikeriki!“ – der morgendliche Weckruf von Nachbars Hahn bedeutete für mich immer eins: aufstehen und zur Schule gehen. Hühner verbinde ich mit vielen Kindheitserinnerungen. Sei es die Freude, mit der ich auf Omas Bauernhof Eier einsammelte,  die Geborgenheit, mit der mir Mama eine wohltuende Hühnersuppe ans Krankenbett brachte oder die Fassungslosigkeit, mit der ich Dokumentationen über die grausame Massenaufzucht von Hühnern und Küken verfolgte. 

Eines war mir klar: Hühner sind freundliche, nützliche und unterschätzte Tiere, die Anerkennung und eine respektvolle Behandlung verdienen – und ruhig auch mal auf ein Podest gestellt werden dürfen.

Ein Sulmtaler Huhn mit stolzem Blick. Foto: (c) Luzia Ellert

Als ich anfing, beim Löwenzahn Verlag zu arbeiten, fiel mir ein Buch gleich ins Auge: Alles Huhn. Auch auf den zweiten Blick konnte es überzeugen. Auf beispiellose Weise verstehen es die Autorinnen, den Scheinwerfer auf Huhn und Ei zu richten.

Hier sind meine Gründe, warum es im Moment mein absolutes Lieblingsbuch ist:

Was war zuerst – Huhn oder Ei?, fragt sich das Küken. Foto: (c) Luzia Ellert

Rezepte und Hintergrundwissen sind eine unschlagbare Kombination!

 

Das Buch verbindet spannende Infos zu Huhn, Ei, Haltung, Herkunft, Kulturgeschichte … mit köstlichen Kochanleitungen und wertvollen Tipps. Wer hätte etwa gewusst, dass die Farbe eines Eis mit der Ohrenfarbe des Huhnes zusammenhängt?

In über 60 Rezepten beantworten die Autorinnen auf anschauliche Weise ganz klassische Fragen wie: Wie mache ich ein perfektes wachsweiches Ei? Wie gelingt eine feine, cremige Mayonnaise? Sie zeigen zudem die Vielseitigkeit des Hühnerfleisches anhand von wunderbaren Rezepten wie „Wasabihuhn in Pergament“ oder „Gegrillte Hühnerschnecken mit Zucchini und Rohschinken“. 

Mithilfe dieses Buches habe ich mein erstes Coq au Vin zubereitet. Ich habe mich an einem pochierten Ei versucht und festgestellt, dass es mit der richtigen Technik eigentlich ganz einfach ist. Und ich habe die Sehnsucht verspürt, dass ich, sollte ich einmal ein kleines Fleckchen Garten mein Eigen nennen, meine gefiederten Freunde darin einziehen lassen will.

Dreh und drop: So gelingt ein pochiertes Ei. Foto: (c) Luzia Ellert
Eine Explosion der Geschmäcker: Wasabihuhn in Pergament. Foto: (c) Luzia Ellert
Unwiderstehlich cremig, diese selbstgemachte Mayonnaise. Foto: (c) Luzia Ellert

Eigene Hühner zu halten ist in!

Schon vor mehreren tausend Jahren haben die Menschen den Nutzen des Huhnes erkannt. In den letzten Jahrzehnten ist seine Bedeutung als Nahrungsmittel noch enorm gestiegen. Nach Jahren der Massenhaltung ist nun aber eine Wende eingetreten. 

Mit viel freiem Auslauf fühlen sich die Hühner wohl. Foto: (c) Luzia Ellert

Die eigene Hühnerhaltung ist wieder modern. Ich kenne es auch aus meinem Bekanntenkreis: Zu Hause im Dorf haben einige Bewohner damit begonnen. Viele machen es aus Überzeugung, andere, vorwiegend Jugendliche, bessern mit dem Verkauf von Eiern ihr Taschengeld auf. Allen gemeinsam aber ist der Gedanke: Ich möchte wissen, wo meine Lebensmittel herkommen.

Mit einem Huhn darf auch gekuschelt werden. Foto: (c) Luzia Ellert

Die Wertschätzung zum Tier spüren


Das liest sich auch im Buch ganz klar heraus: die Wertschätzung, die die Autorinnen den Tieren gegenüber empfinden. In ihrem Buch sammeln sie das Wissen ihrer Mütter und Großmütter, die ihr Leben lang mit der Aufzucht der Tiere betraut waren. Sie stellen die Hühner als universelle Nutztiere dar. Diese liefern nämlich nicht nur Eier und Fleisch, sondern sorgen mit ihrem Scharren und Picken auch für einen gesunden Garten. Und: Hühner können auch Freundschaften mit uns schließen, denn sie schätzen menschliche Zuneigung mehr, als man meinen könnte.

Alle Teile des Tieres sind wertvoll!

Die Verwertung des Hühnerfleisches folgt dem Prinzip „from beak to tail“. Viele kennen Hühner nur als lieblos abgepackte Filets im Supermarkt. Die Autorinnen plädieren dafür, ganze (Bio-)Hühner zu kaufen. Sie zeigen, wie die einzelnen Fleischteile verwertet werden und zudem auch, wie Hähne zubereitet werden. Das letzte Kapitel widmen sie der Resteverwertung: Was tun mit dem Bratfleisch von gestern? Es zeigt sich: Das gesamte Buch durchzieht ein Gedanke der Nachhaltigkeit, ausgehend von einem ganzheitlichen Zugang zum wertvollen Huhn. 

Fass dir ein Herz – oder ein Hühnerbrüstchen. Ein Huhn ist ein wertvolles Lebensmittel. Auch unbekannte Teile davon können - richtig zubereitet - eine wahre Gaumenfreude sein! Foto: (c) Luzia Ellert

Lasst uns das Huhn so richtig feiern!

Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem verrate ich ein Geheimnis: In diesem Buch wird endlich die Gretchen-Frage allen Hühner-Seins beantwortet: Was war zuerst da? 

Und nicht zuletzt: Das liebevolle Design und die eindrucksvollen Fotografien von Luzia Ellert machen das Buch zu einem wahren Kunstwerk. Eines, das dem hoheitlichen Huhn, so keck wie es uns vom Cover entgegenblickt, gerade einmal gerecht wird. 

Meine persönliche Kochbuchempfehlung für alle, die Wert auf Haltung und Qualität von Fleisch legen und sich mehr wünschen als eine reine Rezeptsammlung: Alles Huhn

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Wie ein to go Kochbuch mein Leben verändert hat … oder zumindest meine Mittagspause!

Gemüse to go kann mehr, als Gemüsesticks mit Dip. Zugegeben, als ich den Titel des Buches zum ersten Mal gehört habe, dachte ich wirklich an Rohkost. An Gurken- und Karotten-Sticks mit Humus, um genau zu sein.

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Wie ich wieder wild wurde – zumindest im Garten

“Wild thing, you make my heart sing” – sangen schon The Troggs. Mir geht es da ja nicht anders, obwohl mein Herz wohl aus einem anderen Grund höherschlägt als das von Sänger Reg Presley. Mein Herz geht auf, wenn ich höre, wie es in meinem Garten summt, wenn ich sehe, dass es dort kreucht und fleucht. Aber vielleicht nochmal zurück zum Start:

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Das Gemüse wächst in den Himmel! Und ich schau ihm lächelnd dabei zu.

Schon cool, diese Pflänzchen: Schön eingerahmt in einem schmucken Hochbeet entwickeln sie vergnügt und unbeschwert Blatt für Blatt, knallbunte, knackig-reife Früchte und Geschmäcker zum Niederknien. Ich liebe es! Und ich liebe das neue Buch von Doris Kampas „Das unglaubliche Hochbeet“. Aus Gründen! Die wichtigsten 5 findet ihr hier:

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