Imperfectly perfect – Die Streuobstwiese

Einfach mal loslassen, sich zurücklehnen, den Dingen ihren Lauf lassen – schon im Alltag fällt uns das oft nicht leicht. Bei der Gartenarbeit ist das nicht anders. Einen Garten verbinden wir mit säuberlich geordneten Beeten, gemähtem Gras, regelmäßiger Pflege und Ernte. Und auch an ein Feld stellen wir meist konkrete Anforderungen, so in Richtung Nahrungsmittelquelle oder Weideplatz. Wenn das Gras aber unkontrolliert sprießen darf, Obstbäume ungeordnet stehen und es dort lebhaft kreucht und fleucht, dann hat das für uns oft etwas Verwildertes. Zeit, diese Vorurteile über Bord zu werfen und den Blick freizumachen für die wahre Schönheit von purer Natur – so wie wir sie in Form der Streuobstwiese finden!

Gemeinsam genießen – Eine Streuobstwiese ist Lebensraum für alle

 

Als Mensch lediglich lenkend eingreifen – die Streuobstwiese zeigt, wie wertvoll solche Fleckchen Natur sind. Sowohl für das Ökosystem selbst, als auch für uns Menschen. Sie sind selbstständig (benötigen also außerhalb der Erntezeit kaum Pflege),

sind wesentlich für den Fortbestand alter, schmackhafter Obstsorten und räumen allerlei Nützlingen einen Platz ein. Wer einmal barfuß durch eine solche Streuobstwiese geschlendert ist, die Grillen zirpen gehört und den Duft der Obstbäume eingeatmet hat, der wird wissen, wie magisch ‚unberührt‘ sein kann.

Einfach mal hängen lassen – also am besten Arme, Beine und Äste. Foto: Sigrid Drage

Viel weiß Permakulturgärtnerin Sigrid Drage zu diesem Thema zu schreiben. In ihrem Buch „Permakultur – dein Garten, deine Revolution“ erklärt sie uns was eine Streuobstwiese überhaupt ist, wo der Name herkommt, welche Obstbaumsorten sich wo wohlfühlen und wie man die Sache mit dem Baumschnitt am besten angeht. Neugierig geworden? Keine Sorge, hier gibt’s einen Vorgeschmack:

Eine Streuobstwiese ist etwas ganz Besonderes. Irgendwie selbstverständlich, entsteht sie doch aus dem Zusammenspiel zweier ganz wunderbarer Elemente: Da wäre die Wiese, in der Gräser und Kräuter so lange wachsen dürfen, bis sie erntereif sind, also langstielig und

Streuobstwiesen bedeuten Erholung – für Natur und Mensch. Foto: Sigrid Drage

bereit zum Mähen mit der Sense oder dem Balkenmäher, um als Heu für Tiere oder Mulch genutzt zu werden. In dieser Wiese zirpen die Heuschrecken und Grillen und vielleicht streifen sogar Hühner und Laufenten zwischen den hochstehenden Gräsern hindurch und dösen während der heißen Mittagsstunden im Schatten der großen Obstbäume. Mittel- und hochstämmige Obst- und Nussbäume unterschiedlicher Altersstufen stehen verstreut darin – daher kommt höchstwahrscheinlich auch der Name „Streuobstwiese“.

Die Obstwiese erfüllt viele Funktionen. Sie produziert schmackhaftes Streuobst in vielfältigen Sorten, Mulch- und Kompostmaterial wie Astschnitt und Laub, bietet Schatten, Windschutz, Brutplätze, Nahrung und Verstecke für Vögel, Insekten, Reptilien, Amphibien, Fledermäuse und andere kleine Säugetiere. Und für uns ist sie natürlich auch Lebensraum und Spielplatz mit ihren Hängematten- und Kletterbäumen.

Streuobstwiesen sind sehr selbstständig

 

Sie sind mit geringem Arbeitsaufwand verbunden und eine Verortung in Zone 3 bis 4 ist für sie ideal. Damit Obstbäume gut gedeihen, ist die Wahl der passenden Obstsorten wichtig, die die regionalen und mikroklimatischen Gegebenheiten berücksichtigt. Da Bäume dauerhafte

Elemente sind und uns oft sogar überleben, ist es wichtig, sich bewusst für bestimmte Sorten zu entscheiden. Typisches Streuobst für höher gelegene, etwas rauere Gebiete sind z.B. Zwetschge, Apfel, Mirabelle und Birne. In geschützteren Lagen kommen Kirsche, Quitte, Kirschpflaume und auch die Walnuss zurecht. Letztere ist zwar kein Obst, aber passt gut dazu und liefert mineralstoffreiche, ölhaltige Nüsse. Aprikosen und Pfirsiche brauchen bereits Weinbauklima und die empfindlichen Feigen sehr warme, gut geschützte Plätze an Steinmauern oder Wänden. Und natürlich gibt es noch zahlreiche weniger häufige Obst- und Nussarten und -sorten, die sich für Obstwiesen in unterschiedlichen Regionen eignen, wie z.B. Mandel, Edelkastanie, Speierling, Indianderbanane, Kaki usw. Die klimatische Eignung einer Sorte bestimmt vor allem der Blühzeitpunkt, die Anfälligkeit gegenüber Spätfrösten und die Reifezeit. Auch die Bodenansprüche der Obstbäume sind unterschiedlich und sollten im Detail beim Kauf besprochen werden. Um Jungbäume zu setzen, sind der Herbst und der frühe Frühling besonders gut geeignet.

 

Lust auf naturnahes Gärtnern, aber euch fehlt das nötige Know-How? Absolut kein Problem, denn Gartenvisionärin Sigrid Drage hat in „Permakultur – dein Garten, deine Revolution“ alles Wissenswerte versammelt, um die Beziehungen zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen verstehen und Ressourcen effizient nutzen zu lernen.

Du kannst nicht genug kriegen vom Thema Permakultur? Dann schau dir doch auch die anderen Titel zum Thema aus unserem Programm an: Permakultur für alle von Sepp und Margit Brunner zum Beispiel oder Siegfried Tatschls 555 Obstsorten für den Permakulturgarten und -balkon. Und eigentlich bleibt und jetzt gar nicht mehr so viel zu sagen, außer:         

                                                                                                                                                             Stay green!