Prägraten Heilkräuter finden

Grünes Paradies Prägraten – Heilkräuter auch bei dir finden!

Hoch oben in den Bergen von Prägraten hat Kamillus Kratzer schon früh gelernt, was es heißt, frische Kräuterluft zu schnuppern. Denn nicht nur die Bäume atmen hier auf, auch Arnika, Enzian und Meisterwurz strecken ihre Köpfe gegen Himmel. Der Wald und die Berge sind auch in Prägraten seit Menschengedenken ein Ort der Entspannung und Erholung. Heilkräuter, die dort wachsen, können helfen, unsere Reserven noch schneller wieder aufzufüllen. Aber wie sehen sie aus und wo finden wir sie? Eine kleine Kräuterkunde.

Hier erlebst du dein grünes Wunder

Prägraten, Silbermantel, Frauenkraut
Für alles ist ein Kraut gewachsen. Hier: Frauen- oder Silbermantel ist – wie der Name verrät – das Frauenkraut schlechthin! © Liesa Rechenburg

Wie heißt es so schön? Für alles ist ein Kraut gewachsen! Dass dies nicht nur eine Redewendung ist, wird jedem schnell bewusst, der sich traut, einen Blick in die Vielfalt der Heilkräuterwelt zu werfen. Einen Ausschnitt davon liefert uns die Kräutersammlung von Kamillus Kratzer und Liesa Rechenburg aus Prägraten in Osttirol. Prägraten gehört mit seiner unverwechselbaren Landschaft zum Nationalpark Hohe Tauern und ist somit im Winter wie im Sommer ein Genuss für jeden Naturverliebten. Kein Wunder also, dass sich hier auch Kräuter wohl fühlen. Doch keine Sorge, dafür muss man nicht zwingend hoch auf den Großvenediger klettern! Denn Retter in Not können sowohl Hochgebirgspflanzen als auch Löwenzahn, Kamille und Beeren sein, die man an jedem Wegrand aus dem Boden sprießen sieht.

Mit Wertschätzung ans Ziel

Kaum in der Natur, fängt schon das Summen an, doch das Mückenspray liegt natürlich bequem daheim. Ehe man es sich versieht, juckt es schon, und leider fühlt es sich nur zu gut an, wenn man sich kratzt. Wie oft wurde man als Kind gemahnt, dass man genau das nicht tun soll – man weiß es ja eigentlich besser, aber … kein Aber mehr! Denn das nächste Mal, wenn etwas zusticht, helfen unsere neuen Pflanzenfreunde aus. Frische Spitz- und Breitwegerichblätter sind das beste Mittel gegen Stiche jeder Art! Einfach zwischen den Händen zerreiben, bis der Pflanzensaft austritt, Hand auf den Stich auflegen und voilà Kratzen ade!

Kümmel und Käfer in Prägraten
Prägraten, auch das grüne Paradies genannt. Hier: Ein Käfer, dem der Kümmel genauso gut schmeckt wie uns! © Liesa Rechenburg

Allerdings ergibt sich hieraus schon die nächste Frage: Wie pflücke ich nachhaltig? Wie ernte ich so, dass der vom Juckreiz oder Schmerz Geplagte nach mir noch Heilung in der Wiese findet? Zuerst einmal ist es wichtig wo, man erntet. Viel befahrene Straßen, Rasen in der Nähe von Fabriken oder Flughäfen und auch Hundewiesen sind keine optimalen Plätze um seine Heilpflanzen zu sammeln. Am besten sind Orte wie Prägraten, wo die Natur atmen und sich frei ausleben kann. Dabei ist immer wichtig, gezielt in Richtung Verwendung zu ernten. Also nur die Mengen vom Kraut abzuschneiden, die man benötigt und auch verarbeiten kann und bestenfalls gestreut zu pflücken, sprich Blüten und Blätter verschiedener Pflanzen zu ernten, damit jede weiterleben kann. So kommt jeder von uns mit Wertschätzung gegenüber der Natur an sein Ziel!

Das Kraut im Sack, was nun?

Hoffentlich in einem Stoffsack oder Korb, denn in Plastik können Pflanzen nicht atmen und welken schneller. Aber welche Art von Verwendung findet man nun für geerntetes Beinwell, Johanniskraut und Co.? Es gibt viele Möglichkeiten! Neben verschiedensten Teekombinationen aus heimischen Kräutern, sei es zum Schwitzen, als Prävention gegen die winterlich rinnende Nase oder zur Entschlackung, lassen sich aus den Pflanzen auch Heilöle, Salben und Cremes zaubern. Außerdem wirken Tees nicht nur Wunder, die meisten verwöhnen zusätzlich den Gaumen, vor allem wenn man einen Löffel selbst gemachten Rosenblüten-Honig dazugibt! Neben all diesen Variationen bietet sich aber auch die Möglichkeit eines Ölauszugs an. Denn was gibt es Besseres als Öl, das beim Einmassieren Linderung für deine brennenden Waden oder den verspannten Rücken verspricht?

Johanniskraut-Rotöl zum Beispiel wird von Kamillus auch das „Öl für alle Fälle“ genannt, es hilft nämlich nicht nur bei Verbrennungen und Sonnenbrand, sondern auch gegen Rücken-, Menstruations- oder rheumatische Schmerzen sowie Muskelzerrungen. Neugierig? Gerne helfen wir dir schmerzfrei durch die nächste Wandertour!

Das sind die Zutaten:

> 2/3 Glas frische Johanniskrautblüten, -blätter, -knospen

> kaltgepresstes Bio-Oliven- oder Sonnenblumenöl

Haltbarkeit: Bei der Haltbarkeit von Ölen, Salben und Cremes können wir davon ausgehen, dass sie so lange halbar sind, wie die Produkte, die wir für die Herstellung verwendet haben.

Johannsikraut-Rotöl aus Prägraten
Das "Öl für alle Fälle" färbt sich meist rot, weshalb es Johanniskraut-Rotöl genannt wird. © Liesa Rechenburg

Und so geht es:

Die oberen 5 bis 10 cm der Pflanze werden mit Blättern, Blüten und Knospen geerntet. Auf jeden Fall muss es zwischen 12 und 14 Uhr und sehr sonnig sein. Alle Pflanzenteile werden geschnitten und mit dem Porzellanstößel angemörsert. Man nimmt so viel Pflanzenmaterial, dass ein Schraubglas bis zu 2/3 locker gefüllt werden kann. Jetzt gießt man das Öl auf. Es darf kein Pflanzenteil aus dem Öl herausschauen. Vorsicht: Schimmelgefahr!

Das Glas mit einem Küchenpapier oder Baumwolltuch und Gummiband abdecken. So können Luftbläschen entweichen. Ab und zu mit einem Holz- oder Glasstab umrühren. Der Standort sollte hell und warm sein. Andere machten die Erfahrung, dass das Glas in die Sonne gestellt werden muss, damit das Öl sich rot färbt.

Nach einer Woche dürfte die Luft aus den frischen Pflanzenteilen entwichen sein, das Glas kann dann verschlossen werden und an einem hellen Ort bei Zimmertemperatur für 3 bis 4 Wochen stehen.

Das Öl wird danach vorsichtig abgeseiht. Die wässrige Lösung, die sich unten gesammelt hat, darf nicht mit ins Öl, bitte aufpassen und rechtzeitig stoppen. Das Johanniskrautöl wird in lichtgeschützte Flaschen gefüllt, beschriftet und kann pur oder als Salben- und Cremegrundlage dienen.

Du würdest gerne deine eigene kleine Hausapotheke erstellen? Langjähriges Wissen mit Naturliebe verbinden? Kräuterguru Kamillus Kratzer und Liesa Rechenburg aus Prägraten teilen gerne ihre Rezepte mit uns in ihrem Buch Dort oben sehe ich euch wachsen. Von Cremes, Ölen, Tees, Tinkturen bis hin zu Honig- und Sirupauszügen ist alles dabei, was das Herz begehrt! Abgesehen davon erwarten dich umfangreiche Portraits zu Beeren, Bäumen, Pflanzen und Sträuchern. Ein Bestimmungs-Büchlein zum Mitnehmen ist auch dabei, falls man sich nicht gleich auf Anhieb alle 33 Pflanzen merkt. Also auf in die Buchhandlung und dann in den Wald oder auf den Berg!

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