Deine Wohlfühloase auf dem Balkon! So legst du auf wenig Platz dein eigenes Minibiotop an.

Ein halbes Weinfass. Foto: Paula Polak

Ein halbes Weinfass. Foto: Paula Polak

Kein Platz für Pool oder Teich? Brauchst du auch nicht! Ob am Balkon, auf der Terrasse oder im Vorgarten: Paula Polak zeigt in ihrem „Handbuch Wasser im Garten„, wie du zuhause dein eigenes Minibiotop anlegen kannst. Mit ein wenig Fantasie und Kreativität lassen sich im Handumdrehen Weinfass, Badewanne oder Tongefäße zu deiner kleinen Wohlfühloase umfunktionieren. 

Auszug aus Paula Polaks Handbuch Wasser im Garten:

Nicht jeder hat die Möglichkeit, einen (Schwimm-)Teich in den eigenen Lebensraum zu integrieren, manche wollen aber trotzdem nicht ganz auf das Element Wasser verzichten. Muss man auch nicht! Egal, ob Balkon, Dachterrasse, Innenhof oder Vorgarten: Es gibt zahlreiche Lösungsmöglichkeiten! Und dabei kommt es nicht auf die Größe an, denn auch kleine und kleinste Wasserflächen bieten Pflanzen und Tieren Lebensraum.

Balkontrogkombination als Miniteiche. Zeichnung: Paula Polak

Balkontrogkombination als Miniteiche. Zeichnung: Paula Polak

 

Zwei Warnhinweise

Denk immer daran, dass solche Becken auch überlaufen können, wenn es stark regnet! Plane also am besten von vornherein einen Überlauf ein oder stelle das Ganze so auf, dass es bei Überschwemmungen zu keinen Wasserschäden – auch nicht beim Nachbarn unter dir! – kommen kann. Ganz einfach funktioniert das, wenn das Becken direkt mit einer Regenrinne verbunden wurde. Im Sommer oder bei anhaltendem Wind solltest du das Becken entsprechend nachfüllen. Besondere Vorsicht muss man in jeder Hinsicht walten lassen, wenn sich das Kleinbiotop im öffentlichen oder halböffentlichen Raum befindet. Etwa in einem Vorgarten, der nur mit einem kniehohen Zaun zum Gehweg abgegrenzt ist, oder in einem Innenhof, zu dem alle Hausbewohner Zugang haben. Dass jemand in einem 50 cm tiefen Teich ertrinkt oder sich beim blubbernden Quellstein einen Stromschlag holt, ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich. Und es haftet immer die Person, die das Element „in Verkehr“ gebracht hat.

Minibiotope im Garten

Im Garten können kleine, flache Tümpel oder Wassergräben außer Libellen und Vögeln auch andere Tiere anziehen, z. B. Unken, die auch gerne in Radspurtümpeln ablaichen. Ihre Kaulquappen ertragen
eine organische Belastung des Wassers und auch Temperaturen bis zu 35° C. Allerdings sollten die
Gewässer mindestens drei Monate lang Wasser führen, dürfen dann aber auch mal austrocknen. Das Austrocknen bietet für die Unken den Vorteil, dass Fressfeinde wie Libellen- und Gelbrandkäferlarven oder Fische dadurch sterben. So ein potenzielles Unkenquartier passt in jeden Garten, dazu ein schattiges Umland mit genügend Versteckmöglichkeiten wie Totholz- und Laubhaufen, selten gemähte Stauden und Wiesen. Von Miniteich-Formen aus Hartplastik, die man im Baumarkt erhält, rate ich ab! An den glatten, recht steilen Wänden hält sich kein Substrat – meistens ähnelt das Ergebnis (zumindest am Anfang) eher einem schwarzen Loch als einem Ökosystem. Außerdem brechen Hartplastikschalen bei Frost leicht, wenn der Untergrund nicht perfekt vorbereitet wurde.

Wasserelemente auf Balkon und Terrasse

Auch eine alte, ausgemusterte Badewanne kann zum kleinen Biotop umfunktioniert werden. Foto: Paula Polak

Auch eine alte, ausgemusterte Badewanne kann zum kleinen Biotop umfunktioniert werden. Foto: Paula Polak

Wesentlich ist, zuerst die Tragfähigkeit des Balkons oder der Terrasse abzuklären. 1 m3 Wasser wiegt immerhin 1000 kg. Am Balkon bietet ein Miniteich mit Seerosen- und Schwertlilienblüten einen erfreulichen Anblick und zieht z. B. Libellen und Vögel an. Doch so sehr wir uns über trinkende Meisen auch freuen, in Großstädten sind es leider oft Taubenschwärme, welche die Kleinteiche zum Trinken und Baden nutzen und diese entsprechend verschmutzen. Das ist nicht nur ein optisches, sondern auch ein gesundheitliches Problem, da Stadttauben oft mit humanpathogenen Krankheitserregern infiziert sind. Wir hatten ein Projekt im Zentrum von Wien, wo letztendlich über dem Dachterrassenteich eine quasi verkehrte Gittervoliere errichtet werden musste – drinnen sind die Menschen und draußen die Vögel. Aber das trifft, wie gesagt, vor allem auf die Zentren von Großstädten zu, da hier Tauben in Massen auftreten und auch nicht scheu sind. Andere Vögel tragen zwar auch Keime in sich, aber vor allem für uns harmlose, und sie bleiben eher auf Distanz zu den Menschen.

Die Wahl des Trogs

Ein Minibiotop dieser Größe passt auf jeden Balkon! Foto: Paula Polak

Ein Minibiotop dieser Größe passt auf jeden Balkon! Foto: Paula Polak

Will man am Balkon einen Miniteich bauen, ist die Form des Behälters entscheidend. Er sollte jedenfalls konisch nach oben hin breiter sein, damit das Eis im Winter nach oben hin ausweichen kann. Im Idealfall hältst du die Oberfläche eines solchen Balkontrogs im Winter – wenn nötig – eisfrei, um ein Ersticken des Wasserlebens zu verhindern. In den meisten Wintern ist eine solche Maßnahme – aufgrund des Klimawandels – jedoch gar nicht nötig. Ein paar Zentimeter Eis an der Oberfläche überleben Pflanzen und Tiere meistens. Aber Vorsicht: Ein komplettes Durchfrieren ist den Pflanzen zwar gleichgültig, für überwinternde Insektenlarven und andere Tiere jedoch meist tödlich.

Gut eignet sich etwa ein halbes Weinfass; auch mehrere Weinfässer nebeneinander – in verschiedenen Höhen abgeschnitten – ergeben ein schönes Bild. Aber Achtung: Wenn der Metallreif, der das Fass zusammenhält, zu weit unter der Oberkante liegt, muss man knapp unter der Kante ein kräftiges Band, einen Zurrgurt oder einen dicken Draht um das Fass spannen, um ein Auseinanderfallen zu verhindern. Es eignen sich natürlich auch andere dichte Holzgefäße sowie frostfeste, dichte Tongefäße, die nach oben hin weiter werden. Wenn das Gefäß nicht mit Unterwasserpflanzen und Seerosen, sondern nur mit Röhrichtpflanzen bepflanzt wird, kann man auch eines wählen, das sich nach oben hin verengt. Dann schöpft man rechtzeitig etwas Wasser ab, sodass das verbliebene sich bei Frost nach oben hin ausdehnen kann.

Ganz dem Upcycling-Gedanken entspricht die Verwendung einer alten Badewanne. Die Badewanne ragt mit ihrem Rand ca. 20 cm über den Boden hinaus, darunter wurden kleine Findlinge als Abschluss verlegt. Der Abfluss der Wanne wurde verklebt, damit sie auch dicht ist. Gespeist wird sie mit dem Dachwasser eines Schuppens; was zu viel ist, kann überrinnen, da die Wanne mit ganz leichtem Gefälle weg vom Schuppen aufgestellt ist. Überlaufendes Wasser gelangt in einen vergrabenen Mörteltrog, der mit Sibirischer Schwertlilie, Gilbweiderich, und Heil-Ziest bestückt ist. In der Wanne selbst wuchern Schwanenblume, Krebsschere und Sumpf-Schwertlilie um die Wette. Selbstverständlich ist es z. B. auf Dachterrassen und Balkonen auch möglich, Becken selbst zu bauen. Dazu wird ein stabiler Rahmen aus Holz, fest verbundenen Mauersteinen oder Ähnlichem gebaut, der anschließend mit Teichfolie ausgelegt wird. Die Folie muss unbedingt über den Rahmen geklappt und reißfest montiert werden! Bei Holz ist das einfach: Die Folie wird über den Rahmen gestülpt und mit einer Beilagescheibe als Rissschutz angeschraubt. Montiert man darüber auch noch eine Holzleiste, ist die Folie noch einmal extra eingeklemmt und damit besonders gut fixiert. Mehrwert: Hübsch sieht der Rahmen auch noch aus! In die Tiefwasserzone können z. B. Seerosen gepflanzt werden. Um eine Flachwasserzone zu simulieren, können bepflanze Edelstahlkörbe eingehängt werden. Auch der Einbau eines Sprudelsteins oder Ähnlichem ist möglich. Das System hat den Vorteil, dass es sehr flexibel ist und eigentlich an jede Form angepasst und sogar mit netten Sitzgelegenheiten kombiniert werden kann.

Pflege

Grundsätzlich sind bei kleinen Teichen alle Handlungsanweisungen für Bau und Pflege noch genauer zu beachten als bei großen Teichen, da warmes, flaches Wasser mehr Algen hervorbringt. Und noch einmal: Ja keine Goldfische! Vor allem nicht ohne Filteranlage.

PRAXIS – TIPP:

Großstädte und Tauben

Planen Sie von vornherein eine Art Abschreckvorrichtung mit ein. Egal, ob recycelte CDs, tibetische Gebetsfahnen, Lampions oder ein handelsübliches Taubennetz – Hauptsache, die Tauben bleiben dem Minibiotop fern! Schade ist nur, dass solche Maßnahmen meist auch alle anderen Vögel abschrecken.

 

Weitere nützliche Tipps und Tricks rund um das Thema Urban Farming findest du im „Handbuch Wasser im Garten“ von der erfahrenen Gartenplanerin Paula Polak. Sie zeigt dir, wie du mit der Ressource Wasser in deinem Garten verantwortungsbewusst umgehen kannst und wie du Teiche, Naturpools und Biotope als wertvollen Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen richtig planst, anlegst, sinnvoll bepflanzt und pflegst.