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Mitglieder einer Solawi
BEITRAGSAUTORIN: Marina | KATEGORIE: Natürlich & nachhaltig leben | 08.06.2022

Solawi: Tomaten und Co. solidarisch teilen

Wöchentlich ultraknackige Karotten, Äpfel und andere gemüsige Leckerbissen direkt von Landwirt*innen aus der näheren Umgebung abholen? Du weißt ganz genau, wo das Gemüse wächst und wie es angebaut wird? Und: Der Preis dafür ist unabhängig vom Markt? Das klingt doch fantastisch und nennt sich: solidarische Landwirtschaft! Wir haben dazu alle Facts für dich zusammengefasst: Was steckt hinter der Solawi, für wen ergeben sich welche Vorteile, und: Wie kannst du mitmachen und das geschmacksintensive Gemüse ergattern?

Inhalt:
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Die Basics: Was ist eine solidarische Landwirtschaft (Solawi)?
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Market Gardening, Solawi, Biokiste: Was sind die Unterschiede?
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Ganz konkret: Wie funktioniert eine Solawi?
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Unschlagbar gut: Die Vorteile einer landwirtschaftlichen Kooperative
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Jetzt mitmachen: So findest du eine Solawi in der Nähe
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Lokalheld*innen: solidarische Landwirtschaft in Österreich und Deutschland
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Gemeinsam wirtschaften: Solawi als Modell der Zukunft

Die Basics: Was ist eine solidarische Landwirtschaft (Solawi)?

Eine solidarische Landwirtschaft (Solawi) ist ein Zusammenschluss, eine Art Wirtschaftsgemeinschaft von Produzent*innen und Konsument*innen. Die Landwirt*innen legen aufgrund einer jährlichen Kostenrechnung einen Betrag fest, der von allen fixen Ernteteiler*innen mitgetragen und für ein Jahr im Voraus bezahlt wird. Die Ernte, ob üppig oder schlecht, wird dann auf diese aufgeteilt.

Eine absolute Win-win-Sitation für alle: Landwirt*innen bekommen in allen Fällen einen fairen Lohn und sind unabhängig von Marktzwängen. Die Konsument*innen im Gegenzug erhalten Lebensmittel von höchster Qualität und sie wissen, wo die Produkte herkommen.

Team einer solidarischen Landwirtschaft
In einer solidarischen Landwirtschaft wird gemeinsam angepackt und sichergestellt, dass die Produzent*innen einen fairen Lohn erhalten. Foto: © Johannes Hloch

Market Gardening, Solawi, Bio-Gemüsekiste: Was sind die Unterschiede?

Drei Begriffe, hinter denen sich eine recht ähnliche Bedeutung verbirgt – da kann sich schnell Verwirrung breit machen: Market Gardening, Solawi, Bio-Gemüsekiste – wo liegen denn nun die Unterschiede?

Und da steckt die Krux dahinter, denn: Um ehrlich zu sein, lassen sich diese drei Begriffe gar nicht trennen – alle drei greifen ineinander.

  • Market Gardening, oder zu Deutsch Marktgärtnerei, beschreibt ein Konzept, bei dem Gemüse nicht für einen Supermarkt, sondern für einen oft hofeigenen „Markt“ oder eben für den Verkauf in der Region (in Form von Bio-Gemüsekisten) angebaut wird: Der Anbau ist ressourcenschonend und wird meist auf kleiner Fläche betrieben.
  • Bei der Solawi teilen sich Produzent*innen und Konsument*innen die Kosten, Aufwände und auch Erträge. Auch der Marktgärtnerei-Betrieb kann als Wirtschaftsform eine solidarische Landwirtschaft sein.
  • Das Resultat von Market Gardening mit kombinierter solidarischer Landwirtschaft: die Bio-Gemüsekiste. Diese wird in einem wöchentlichen Rhythmus (ca. 12-mal) gepackt und kann entweder am Hof abgeholt werden oder die Kiste wird direkt vor die Haustür geliefert.

Außerdem: Alle Begriffe beinhalten den Gemeinschaftsgedanken und oftmals gehen die Angebote der Betriebe ineinander über.

Ganz konkret: Wie funktioniert eine Solawi?

Wie bereits beschrieben, teilen sich Produzent*innen und Konsument*innen die landwirtschaftlichen Risiken, Aufwände und Erträge.

Wie kann eine Solawi aber konkret aussehen? Hier haben wir für dich die drängendsten Fragen zusammengefasst, damit du Bescheid weißt, wie eine Solawi gestaltet sein kann:

Steck deine Nase rein: Wer kann mitmachen?

Alle! Und das ist wirklich so: Jede*r kann sich einer solidarischen Landwirtschaft anschließen – vorausgesetzt, die Solawi ist noch auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Die Info dazu findest du meist auf der Website des jeweiligen Betriebes.

Part of the game: Was bedeutet es, Teil einer Solawi zu sein?

Wenn du dich einer Solawi anschließen möchtest, heißt das Folgendes für dich:

  • Du zahlst einen vorher festgelegten Geldbetrag (für das gesamte Jahr oder monatlich), mit dem du die Erzeuger*innen unterstützt.
  • Dafür bekommst du regelmäßig knackfrische, regionale und saisonale Lebensmittel und weißt genau, in welchem Stückchen Erde deine Karotte gesteckt hat.
  • Gleichzeitig hast du die Möglichkeit, zu erfahren, wie regionaler, nachhaltiger Anbau von Gemüse funktionieren kann. Es gibt auch Betriebe, bei denen Mitglieder aktiv mithelfen und mitarbeiten können.
Mitglieder einer Solawi bei der Ernte
Bei einer Solawi wird geteilt: Die Risiken und Kosten aber auch die knackig frische Ernte und wertvolles Wissen. Foto: © Johannes Hloch

Good to know: Welche Obst- und Gemüsesorten werden gepflanzt?

Welche Sorten ein Betrieb anbaut, hängt davon ab, auf welche Sorten er sich spezialisiert ab. Folgende Obst- und Gemüsesorten können dabei vertreten sein:

  • Äpfel
  • Beeren
  • Karotten
  • Kartoffeln
  • Lauchgemüse
  • Tomaten
  • Zwiebeln

Und: Häufig erhalten die Mitglieder nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Kräuter, Getreideprodukte, Brot und Backwaren, Milchprodukte oder sogar Fleisch und Fisch.

Mann und Frau beim Kochen
Wenn die Ernte eingefahren wird, heißt es schlemmen. Und das Beste: Du weißt genau, wo dein Obst und Gemüse herkommen. Foto: © Johannes Hloch

Nachgezählt: Mit welchen Mengen kann ich rechnen?

Das kommt darauf an, wie groß der Betrieb ist und natürlich auch darauf, wie groß die Ernte ausfällt. Meist ist der Anteil im Sommer größer als der im Winter – manche Betriebe bauen aber auch Wintergemüse an. Wenn der Anteil wöchentlich abgeholt werden kann, entspricht die Menge meist einem durchschnittlichen einwöchigen Gemüse- oder Obstverbrauch.

In den Monaten Juli bis September können dich z.B. folgende gemüsige Leckerbissen erwarten:

  • Brokkoli
  • Chinakohl
  • Eisbergsalat
  • Gurken
  • Mangold
  • Schnittknoblauch
  • Zucchini

Und falls doch einmal etwas über bleiben sollte oder nicht nach deinem Geschmack ist: Einfach Lebensmittel haltbarmachen und dem Ganzen eine zweite Chance geben!

Tipp: Erkundige dich am besten vorher bei der Solawi, welche Mengen an Obst, Gemüse & Co dich erwarten, damit es danach keine Überraschungen gibt.

Her damit: Wie komme ich an meinen Anteil?

Bei den meisten Solawis gibt es bestimmte Abholtage: Das sind Tage, an denen du die Lebensmittel während eines gewissen Zeitfensters ganz einfach direkt von den Betrieben oder einer Abholstation mitnehmen kannst.

Hier eintragen und mit unserer Einkochanleitung deine knallbunte Gartenausbeute haltbarmachen:

  • die allerbesten Einkochtipps
  • 9 Ruckzuck-Rezepte für Sirup, Konfitüren, Ketchup & Co.

Talk about money: Was sind die monatlichen Kosten?

Die Produktionskosten für Gemüse- und Obstanbau werden von den Mitgliedern getragen. Meist betragen die fixen Kosten für jedes Mitglied einer Solawi 50 bis 100 € pro Monat. Viele Solawis bieten aber auch vergünstigte Preise für Menschen an, deren finanzielle Situation etwas schwieriger ist und die sich den vollen Preis nicht leisten können.

Weiterlesen: Beim Netzwerk Solidarische Landwirtschaft findest du ganz viele Hintergrundinfos und Tipps zur solidarischen Landwirtschaft – klick dich mal rein.

Unschlagbar gut: Die Vorteile einer landwirtschaftlichen Kooperative

Ok, wir wissen nun, was Solawi bedeutet. Die Vorteile haben wir schon kurz angerissen, hier findest du nochmal einen Überblick, warum eine landwirtschaftliche Kooperative so wertvoll ist.

Diese Vorteile ergeben sich durch eine Solawi für die Landwirt*innen:

  • Gesichertes Einkommen: Dadurch, dass alle Mitglieder einen fixen Betrag bezahlen, ist der Betrieb nicht abhängig von der Marktsituation.
  • Größerer Gestaltungsspielraum: Das gibt den Landwirt*innen Sicherheit in der Planung des Anbaus und mehr Flexibilität. Sie können den Fokus z. B. stark auf ökologischen Anbau und Permakultur in der Landwirtschaft legen oder neue Anbauformen ausprobieren. Das ist unter gängigen Marktbedingungen oft nicht möglich.
  • Das Risiko wird minimiert: Aufgrund von unsicheren Witterungsbedingungen und daraus resultierenden Ernteausfällen tragen die Landwirt*innen ein hohes Risiko – dieses wird minimiert, da sie in allen Fällen ein Einkommen erhalten.
  • Mehr Freude: Die Landwirt*innen haben mehr Spaß an ihrer Arbeit und auch die Möglichkeit, sich den Arbeitsalltag flexibler einzuteilen, da der Druck des Marktes wegfällt.
Frau bei der Ernte
Sich gegenseitig unterstützen und noch dazu supergutes Obst und Gemüse auf dem Teller zu haben: Das sind nur zwei von vielen Vorteilen einer Solawi. Foto: © Johannes Hloch

Aber auch die Konsument*innen können mit genialen Pluspunkten rechnen:

  • Knackfrische Produkte: Die Konsument*innen bekommen ultrafrische Lebensmittel von guter Qualität und häufig sogar seltene Gemüsesorten, die es im Supermarkt nicht gibt.
  • Lebensmittelverschwendung vermeiden: In der Solawi erhalten Konsument*innen oft auch Lebensmittel, die aufgrund von Marktnormen keinen Platz im Supermarkt gefunden hätten – weniger Lebensmittel müssen weggeworfen werden.
  • Herkunft der Lebensmittel: Bei all diesen Lebensmitteln können die Konsument*innen nachvollziehen, woher sie kommen und wer sie angebaut hat. Zudem wissen sie genau, wie sich ein bestimmter Preis für ein Lebensmittel zusammensetzt.
  • Know-how aneignen: Wenn die Konsument*innen möchten, können sie oft beim Anbau, der Pflege oder beim Ernten von Gemüse, Obst oder Kräutern mitanpacken. Dadurch gewinnen sie wertvolles Wissen über den Anbau von Lebensmitteln.

Auch die Regionen an sich profitieren von landwirtschaftlichen Kooperativen: Eine vielfältige Landwirtschaft verbessert die Lebensqualität aller Bewohner*innen, die wirtschaftlichen Leistungen bleiben in der Region und last but not least: die Böden und die Umwelt (Stichwort: Biodiversität) profitieren in hohem Maß von einer regenerativen Anbaumethode. Solawi ist ein Konzept, das unser Leben in der Zukunft enorm positiv beeinflussen kann.

Jetzt mitmachen: So findest du eine Solawi in der Nähe

Du möchtest dich lieber jetzt als später einer solidarischen Landwirtschaft anschließen? Hier gibt’s ein paar Tipps, wie du fündig wirst:

  • Wenn du unterwegs bist, schau dich um: Vielleicht entdeckst du ein Schild, das zu einer Solawi führt?
  • Tausche dich mit Freund*innen, Nachbar*innen oder deiner Familie aus.
  • Recherchiere im Internet, ob es eine solidarische Landwirtschaft in deiner Nähe gibt.

Heißer Tipp: Schau mal, mit dieser Karte findest du raus, ob es eine Solawi in deiner Umgebung gibt, welche Produkte angeboten werden und wie du mitmachen kannst.

Mitglieder einer Solawi beim Besprechen
Du möchtest dich einer solidarischen Landwirtschaft anschließen? Hör dich um, vielleicht gibt es eine Solawi ganz in deiner Nähe. Foto: © Johannes Hloch

Lokalheld*innen: solidarische Landwirtschaft in Österreich und Deutschland

Nun möchten wir dir noch ein paar Solawis vorstellen: In Österreich und Deutschland gibt es ein paar richtig coole Initiativen – und das ist nur eine Miniauswahl der vielen Betriebe.

Dirndln am Feld – Gemüse von Hand

Die erste Marktgärtnerei in Kirchberg am Wagram, Niederösterreich, wird von Bianca und Sarah betrieben und ihr Sortiment umfasst: Jungpflanzen, Gemüse, Kräuter, essbare Blüten und Honig. Haufenweise Vielfalt aus kleinstrukturiertem Bio-Anbau – richtig super!

Und: Für die Marktgärtnerinnen steht Kooperation statt Konkurrenz im Mittelpunkt. Außerdem sind sie mit anderen lokalen Betrieben vernetzt.

Klick dich durch ihre Website und erfahre, wann und wo du Gemüse & Co. abholen kannst.

LeGuLa – Gemüse aus Solawi

Die LebensGut Landwirtschaft in Lilienfeld, Niederösterreich orientiert sich bei der Bewirtschaftung der Felder am Konzept des Market Gardenings und legt den Fokus auf nachhaltigen, bodenschonenden Anbau auf kleiner Fläche, bei dem nur sparsam Maschinen eingesetzt werden.

Schau mal, hier findest du alle Infos und wie du Mitglied werden kannst.

Mitglieder des Gärtnerhofs Distelfinke
Gemeinsam etwas Wertvolles schaffen: Der Gärtnerhof Distelfinke schreibt Biodiversität groß. Foto: © Wolfgang Hahner

Gärtnerhof Distelfinke

Der Gärtnerhof Distelfinke liegt zwischen Wienerwald, Donauauen und Tullnerfeld und baut mehr als 50 verschiedene Gemüse- und Kräuterkulturen an. Es gibt ebenfalls ein großes Sortiment an Jungpflanzen für Gärten aller Art. Der Fokus des Gärtnerhofs liegt auf der Förderung von Biodiversität.

Du kannst dir ein Kistl-Abo sichern und so einen Teil der Ernte über die ganze Saison finanzieren – damit unterstützt du den Aufbau und Bestand des Betriebes für ein Jahr.

Hier kannst du dich für eine Kistl-Abo eintragen.

Solawi Thurnfeld

Der gemeinnützige Verein Emmaus Innsbruck in Tirol hat das Projekt 2021 initiiert. Mitglieder können wöchentlich einen bestimmten Teil der Ernte abholen – das Gemüse, das nicht abgeholt wird oder übrigbleibt, erhält die Haller Tafel vom Roten Kreuz. Helfende Hände sind bei dieser Solawi gerne gesehen.

Hier erfährst du, wie du mitmachen kannst und ultraleckeres Gemüse abstauben kannst.

Gemeinschaft Tempelhof

In dieser Solawi in Baden-Württemberg bewirtschaften 10 Mitarbeiter*innen und 3 Lehrlinge ein 32 ha großes Grün- und Ackerland. Angebaut werden über 50 Gemüsesorten und viele verschiedene Kräuter.

Besonders spannend: Beim Feldanbau liegt der Fokus auf Transfermulch – organisches Material wird von einer Geberfläche auf eine Nehmerfläche angebracht. Das fördert die Bodenfruchtbarkeit.

Hier kannst du ein wenig in ihre Arbeit reinschnuppern und Mitglied werden.

Buchtipp: In „Market Gardening & Agroforst“ hat Leon Schleep ein spannendes Interview mit Sebastian geführt, der im Gärtner*innen-Team der Gemeinschaft Tempelhof arbeitet.

Agroforstsystem
Die solidarische Landwirtschaft Schloss Tempelhof arbeitet mit einem Agroforstsystem: Ein Paradies für Gemüse und Kräuter. Foto: © Fabian Weiss

Solawi Speisegut

Die Solawi Speisegut in Berlin wurde 2013 gegründet und versorgt Menschen in Berlin und der Umgebung mit biologisch und lokal angebautem Gemüse und Obst. Die Anbauflächen liegen zum größten Teil im Berliner Stadtgebiet. Die Ernteanteile können in 18 verschiedenen Berliner Stadtdepots abgeholt werden. Ein Highlight: Der Betrieb gewinnt auch selbst Öle, wie Sonnenblumenöl oder Rapsöl.

Hol dir hier alle Infos, wie du mitmachen kannst.

Gemeinsam wirtschaften: Solawi als Modell der Zukunft

In der Solawi teilen sich Landwirt*innen und Konsument*innen alles: Kosten, Erträge und oft auch Aufwände. Für beide Seiten entstehen dadurch geniale Vorteile: Landwirt*innen erhalten faire und gesicherte Löhne, Planungssicherheit für ihren Betrieb sowie eine Risikominimierung bei z. B. Ernteausfällen. Und Konsument*innen bekommen im Gegenzug ultrafrisches, regionales Gemüse. In Österreich und Deutschland gibt es viele Solawis, denen du dich einfach anschließen kannst. Und schon bist du Teil des Gegenentwurfs zu kapitalistischen Supermärkten, denn im Gegensatz dazu sind Solawis nachhaltig, marktunabhängig und vielfältig.

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