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Agrarwende
BEITRAGSAUTORIN: Julia | KATEGORIE: Natürlich & nachhaltig leben | 18.05.2022

Wie schaffen wir die Agrarwende? So kannst du sie jetzt lostreten!

Agrar-was? Agrarwende! Bunte Äcker ohne Gentechnik, Permakultur statt Monokulturen, Biodiversität und selbstversorgende Biogärten – all das kann dazu beitragen, die Agrarwende loszutreten. In diesem Beitrag lernst du, was mit diesem Begriff überhaupt gemeint ist, warum die Agrarwende so wichtig für uns ist und was sich in unserem Umfeld alles verändern muss, um sie in Gang zu setzen. Am Ende zeigen wir dir noch, was du in deinem Leben verändern kannst, um deine eigene kleine Agrarwende starten kannst.

Inhalt:
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Definition: Was bedeutet Agrarwende?
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Wie alles begann: Mit der Agrarwende ins neue Jahrtausend
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2022 – warum brauchen wir die Agrarwende JETZT dringend?
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Wie schaffen wir die Agrarwende? Zauberwort „Permakultur“
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Im eigenen Leben die Agrarwende lostreten – das kannst DU tun:
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Agrarwende nur mit Kehrtwende: Gemeinsam ans Ziel!

Definition: Was bedeutet Agrarwende?

2001 forderte die deutsche Verbraucher- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast in einem Reformpaket eine Agrarwende. In den öffentlich geführten Debatten der rot-grünen Bundesregierung in Deutschland fiel der Begriff dann immer öfter und steht seither im deutschsprachigen Raum für das Bestreben, eine sozial und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft umzusetzen. Heute bezeichnet der Begriff sämtliche Vorhaben in Politik, Ländern, Kommunen, Industrie wie von Landwirt*innen und Privatpersonen, den Agrar- und Ernährungssektor nachhaltiger zu gestalten.

Jonas Gampe, einer der bekanntesten Permakultur-Designer Deutschlands, ist sich sicher: Würde man statt der monokulturellen Landwirtschaft die Prinzipien der Permakultur umsetzen, die die Vielfalt von Tieren und Pflanzen fördert, wäre die gesamte Menschheit in wenigen Jahren klimaneutral. Permakultur ist somit der letzte Ausweg, um die Agrarwende noch rechtzeitig und allumfassend zu schaffen … aber dazu später mehr.

Sehen wir uns im nächsten Absatz einmal an, wie es überhaupt zur Verkündung der Agrarwende kam.

Frau mit Korb beim Sammeln von Kräutern
Es ist wichtig, dass wir jetzt die Agrarwende schaffen. Foto: © Fabian Weiss

Wie alles begann: Mit der Agrarwende ins neue Jahrtausend

Wir befinden uns im Jahr 2001 – ein neues Jahrtausend hatte gerade begonnen und die Symbolkraft des Millenniums sorgte für zahlreiche Hoffnungen, aber auch Ängste in den Köpfen der Menschen. Nachdem die Infektionskrankheit BSE im Verlauf der 90er-Jahre überall in Europa immer mehr Rinder befiel und sich zu einem Lebensmittelskandal formierte, wurden die Stimmen nach einer Kehrtwende im Bereich Verbraucherschutz immer lauter.

In den Monaten und Jahren danach wurde der Begriff „Agrarwende“ zu einem regelrechten Schlagwort in der Presse – die öffentliche Diskussion rund um das Reformpaket ebbte nicht ab:

  • Befürworter*innen stellten die Landwirt*innen an den Pranger und forderten noch mehr Ökologie und Naturschutz.
  • Kritiker*innen der Agrarwende waren vor allem die gestiegenen Lebensmittelpreise ein Dorn im Auge.

Nun ja, die Diskussionen brachten am Ende nicht viel, außer dass der Begriff „Agrarwende“ in den Köpfen der Bevölkerung als ein schier unerreichbares Best-Case- bzw. für manche Worst-Case-Szenario abgespeichert wurde.

2022 – warum brauchen wir die Agrarwende JETZT dringend?

Lassen wir die Vergangenheit hinter uns und schauen uns an, warum wir JETZT – über 20 Jahre später – die Agrarwende dringender denn je brauchen. Eines vorweg: Die Bestrebungen waren damals vorhanden, sie waren aber zu wenig umfangreich, um eine Agrarwende wirklich lostreten zu können.

Klimakrise: Ernährung ist ein heißes Thema

Die Klimakrise dürfte wohl inzwischen allen ein Begriff sein. Zu viel Treibhausgase in unserer Luft sorgen für eine globale Erwärmung. Inzwischen werden höhere Temperaturen gemessen als jemals in der Geschichte der Menschheit – mit fatalen Folgen für Mensch, Tier und Natur. Höchste Zeit also den CO2-Ausstoß endlich zu minimieren und möglichst klimaneutral zu leben!

Weil Ernährung uns alle betrifft, hat gerade der Lebensmittelsektor sehr große Auswirkungen auf den Klimawandel. Um die Klimakrise in den Griff zu bekommen, muss die industrielle Landwirtschaft minimiert werden. Wie man eine solche Agrarwende schaffen kann – dazu später mehr.

Unterschiedliche Äpfel in Kisten mit Herkunftsschild
Unsere Ernährung wirkt sich wesentlich auf den Klimawandel aus. Foto: © Fabian Weiss
Eine stark bewachsene Lichtung vor einem Wald
Der natürliche Lebensraum von Tieren gehört geschützt. Foto: © Fabian Weiss

Epidemien und Pandemien: Tierhaltung auf dem Prüfstand

Nehmen wir noch einmal den BSE-Skandal als Beispiel: Als Seuche ist er im Bereich „Naturkatastrophe“ einzureihen – genauso wie übrigens die COVID-19-Pandemie. Wenn der Mensch in vorhandene und funktionierende Ökosysteme eingreift – indem er beispielsweise eine Massentierhaltung forciert, wie es in den 1990er-Jahren bei Rindern häufig der Fall war – können sich Erreger ausbreiten, die normalerweise in einem abgeschlossenen Ökosystem leben.

Auch bei Ebola ließ sich dieser Vorgang im Kongo beobachten, spätestens mit der Corona-Pandemie sollte klar sein, dass mit der Zerstörung des Lebensraums von Tieren endgültig Schluss sein muss.

Hungersnöte: Wetterkatastrophen sind menschengemacht

Nicht nur Erreger und Viren können sich durch den Eingriff in ein Ökosystem verbreiten, auch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Plagen sind die Folge. Damit im Zusammenhang stehen Hungersnöte, die 2022 fast 26 Millionen Menschen auf der Erde betreffen (2019 waren es „nur“ 15,6 Millionen).

Du ahnst es schon? Wir befinden uns inmitten eines Teufelskreises. Durch den Eingriff ins Ökosystem kommt es zu Plagen und Seuchen der Tiere, Landwirt*innen greifen deshalb zu Pestiziden auf Feldern und Äckern, um die Plagen in den Griff zu bekommen. Diese teils aggressiven Mittel gelangen ins Grundwasser und breiten sich von dort aus in anderen Ökosystemen aus. Um das Trinkwasser zu schützen, müssen die Stoffe auf aufwändige Weise herausgefiltert werden. Über die Lebensmittel gelangen die Pestizide in den menschlichen Körper. Was noch dazukommt: Die Resistenzbildung der Pflanzen führt dazu, dass immer noch mehr Mittel verwendet werden müssen – die Mehrfachbelastung für Umwelt und Menschen steigt.

Menschen, die auf einem Feld arbeiten
Durch unseren Eingriff gefährden wir selbst das Ökosystem. Foto: © Fabian Weiss
Unterschiedliche Pflanzen in einem Pflanzgefäß
Viele unserer Pflanzen sind vom Artensterben bedroht. Foto: © Fabian Weiss

Artensterben: Pflanzen und Tiere können nicht mehr

Das betrifft nicht nur exotische Tiere oder seltene Pflanzen – auch hierzulande, in heimischen Wäldern zum Beispiel, kommt es zu Abläufen, die wirklich besorgniserregend sind. Durch den Eingriff in funktionierende Ökosysteme, z. B. durch massenhaftes Holzen im Wald, kommt es zu einem Artensterben der dort ansässigen Pflanzen und Tiere.

In Europa sieht es aktuell für die Buche nicht gerade rosig aus – zu trockene und heiße Sommer könnten langfristig zu einem Wachstumsrückgang führen.

Wie schaffen wir die Agrarwende? Zauberwort „Permakultur“

Fakt ist, die Politik darf nicht mehr nur länger zusehen, sondern muss konkrete Gesetzesvorschläge bringen, die auch wirklich umsetzbar sind. Gehen wir dafür erst einmal der Frage nach, wie wir eine „richtige” Agrarwende schaffen können:

Wie sieht eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft aus? Kurz gesagt: So, wie die Natur eben ist. Nachhaltige Landwirt*innen werden immer nach dem Vorbild der Natur arbeiten. Das heißt konkret: Permakultur statt Monokultur – die natürlichen Kreisläufe und Ökosysteme werden zum Vorbild beim Anlegen einer Fläche. Permakultur-Landwirtschaft funktioniert …

  • … mit vielfältigen Nutzlandschaften und verschiedenen Nutzpflanzen.
  • … mit Artenvielfalt und Biodiversität.
  • … mit Nützlingen statt Pestizideinsatz.
  • … mit Humusaufbau und Gründüngung statt künstlichem Dünger.
  • … mit biologischem Futtermittel für Tiere statt Futter voller Hormone und Antibiotika.
  • … als ganzheitliches Ökosystem mit Bewässerungsteich, Biotopflächen etc.

Permakultur ist längst mehr als ein Prinzip für den eigenen Garten – Permakultur kann auch im großen Stil umgesetzt werden. Das zeigt Jonas Gampe, der Permakultur-Parks plant und die Umsetzung auch in der Landwirtschaft vorantreiben will. Dazu ist aber Unterstützung von Seiten der Politik notwendig – in folgenden Bereichen:

  • Die ökologische Leistung von Bäuer*innen muss honoriert werden: Die EU-Subventionen müssen angepasst werden, sodass Landwirt*innen, die ökologische Landwirtschaft betreiben, angepasste Förderungen bekommen.
  • Dazu gehört auch eine gute Entlohnung für die Bäuer*innen – die Konsequenz sind dann erhöhte Lebensmittelpreise. Diese könnten aber durch eine Steuerentlastung vergünstigt werden.
  • Damit Permakultur in der Landwirtschaft nicht im Wildwuchs endet und sich Bäuer*innen diesen großen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit überhaupt zutrauen, muss vor allem Hilfe von Expert*innen zur Verfügung stehen.
  • Und es braucht natürlich neue Maschinen und mehr Personal für die Landwirtschaft.
Mann beim Arbeiten mit einer Mistgabel
Für eine funktionierende Permakultur müssen Bäuer*innen unterstützt werden. Foto: © Fabian Weiss

Im eigenen Leben die Agrarwende lostreten – das kannst DU tun:

Du fragst dich jetzt: „Nachhaltige Landwirtschaft: schön und gut, aber was habe ich damit zu tun?“ Sehr viel sogar! Du allein bestimmst zum Beispiel, was täglich auf deinem Teller landet und welche Kleidung du kaufst. Wir zeigen dir abschließend noch, was du als Einzelperson konkret tun kannst, um die Agrarwende in deinem eigenen Leben zu starten.

Agrarwende in der eigenen Küche – regional und saisonal

Zum bewussten Kochen gehört, dass man sich Gedanken macht, woher die verwendeten Lebensmittel überhaupt kommen. Verwendet man heimisches und saisonales Obst und Gemüse zum Kochen, kann man so auf Lebensmittel mit langen Lieferwegen verzichten. Das schont Ressourcen.

Unser Tipp: In „Rezepte für eine gute Zeit“ zeigen dir Melanie Zechmeister und Elisabeth Unger, wie du aus saisonalen und regionalen Zutaten köstliche Menüs zaubern kannst.

Bio-Kleidung statt „made in Bangladesh“

Rebecca Burgess fordert in ihrem Buch „Was steckt in unserer Kleidung?“ den bewussten Umgang mit Kleidung. Konventionelle Kleidung schadet häufig nicht nur dem*der Träger*in, sondern auch Produzent*innen und unserer Umwelt.

Grüne Wende – Ernährungssouveränität mitten in der Stadt

Grüne Fläche ins eigene Leben integrieren:  Das Leben in der Stadt muss nicht nur grau und zugepflastert sein. Gemüse und Kräuter sprießen zum Beispiel super auf sonnigen Balkonen, den Pilzen gefällt es im schattigen Innenhof. Juliane Ranck und Laura Setzer beschreiben im Buch „Urban Farming“, wie die grünen Inseln in der Stadt funktionieren können.

Frau kniet am Boden und pflanzt Baum, weitere Personen im Hintergrund
Auch in der Stadt kann man eine Agrarwende lostreten. Foto: © Fabian Weiss

Agrarwende als Trendwende: Coole Klima-Aktionen!

Umweltschutz war noch nie so „cool“ wie heute: Die neue Generation macht es vor, wenn sie am Freitagnachmittag für fridays for future auf die Straßen geht. In den Klassenzimmern gehört Mülltrennung längst zur Normalität und Secondhand- und Vintage-Shops sind das Top-Shoppingziel für die umweltbewusste Jugend.

Tipp: Warum nicht bei Aktionen, wie z. B. dem Klimafasten 2022, mitwirken? Das schafft Bewusstsein und hilft, gewohnte und inzwischen alltäglich gewordene Dinge zu hinterfragen.

Ein paar Denkanstöße für dich:

  • Woher kommen die Lebensmittel auf deinem Teller?
  • Mit welchen Obststückchen kannst du deinen Salat bereichern?
  • Was lässt sich aus den Lebensmittelresten im Kühlschrank für ein leckeres Gericht zaubern?
  • Kenne ich die regionalen Fische in meiner Umgebung und wo kann ich diese kaufen?
  • Wie kann ich selbst Verpackungs- und Geschenkpapier vermeiden?
  • Wie viel Energie verbrauche ich zu Hause und wie kann ich diese weiter reduzieren?
  • Kann ich Kräuter selbst am Balkon anbauen?

Da es in vielen Gemeinden und Städten immer mehr Bewusstsein für den Klimaschutz gibt, lohnt es sich, einen Blick auf deren Website zu werfen. Vielleicht gibt es ja auch in deiner Nähe einen Workshop zum Thema Biodiversität, eine Solawi oder einen Gemeinschaftsgarten, denen du beitreten, oder eine andere Aktion zum Umweltschutz, bei der du mitmischen könntest?

Agrarwende nur mit Kehrtwende: Gemeinsam ans Ziel!

Klar, wir können nicht alle beginnen, die Äcker landwirtschaftlich zu bewirtschaften. Aber: Wir sind alle Teil des Systems und können aktiv in gewissen Lebensbereichen mithelfen, eine Kehrtwende anzustreben. Wer aber wirklich eine globale Agrarwende lostreten und damit unsere Umwelt retten kann, sind die Big Player – die Politik und die industriellen Großkonzerne. Und wenn wir viele und laut genug sind mit unseren Forderungen nach Veränderung, dann hören uns auch die Großen zu.

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